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Hunde sollen als Hunde betrachtet werden

«Sie biss unaufhörlich zu», Ausgabe vom 15. Juli
Yvonne Marty, Oberwil

In der Zentralschweiz am Sonntag vom 15. Juli wurde vom Überfall einer Terrier-Hündin auf einen Labrador berichtet. Der Titel ist reisserisch und beschreibt eine einseitige Wahrnehmung. Bedenklich ist, dass zum beschriebenen Vorfall ein Symbolbild gezeigt wird, auf welchem der Hund ein (verbotenes) Würge-Stachel-Halsband trägt. Das gehört in die Kategorie «Klischee», stellt seriöse Hundehalter dieser Rasse in ein falsches Licht und heizt die Stimmung unnötig auf.

Ein Hund prescht aus heiterem Himmel und scheinbar ohne ersichtlichen Grund los, stürzt sich auf einen anderen Hund und verletzt diesen. Ein dramatisches Bild! Verständlich, dass Hund und Besitzerin geschockt sind. Erzählt wird der Vorfall aus Sicht der Labrador-Besitzerin. Der Artikel stützt sich des Weiteren auf «gemäss», «soweit ich weiss» und «ihren Aussagen nach». Zwar wird das laufende Verfahren bestätigt, aber belegte Details kennt der Leser nicht. Die sorgfältige Abklärung ist Sache des Veterinäramtes und gehört in die Hände eines langjährigen und erfahrenen Hundeexperten. Die Geschichte ist einseitig und bleibt somit eine emotionsgeladene und etwas hilflose Darstellung, welche Vorurteile schürt und nicht gerade sympathisch wirkt.

Wir lesen die Darstellung des Opfers, und die Meinung ist schnell gemacht: Der angreifende Hund ist gefährlich! Was wir nicht wissen: Wie kam es zum Vorfall? Gab es unerkannte Provokationen zwischen den Hunden oder deren Leinenenden? Wurde der andere Hund ebenfalls verletzt? Wurden einfachste Regeln der Hundebegegnung – Respekt, Anstand und nötiger Abstand – missachtet? Oder war der Terrier–Besitzer und seine Hündin eventuell selber schon Opfer von ignoranten Hundebesitzern, die ihre «spielfreudigen» und «harmlosen» Vierbeiner auf alles losrennen lassen?

Leider hat es unsere Gesellschaft weitgehend verlernt, Hunde als Hunde zu betrachten und sie so zu lesen. Viele der sogenannten Familienhunde sind mässig bis gar nicht erzogen, weil sie ja so lieb, umgänglich und auch für Anfänger und sogar Kinder geeignet sind. Zudem kann ein kleiner Hund kaum Schaden anrichten, so die allgemeine Meinung. Entsprechend mässig sind oft auch die Fähigkeiten dieser Hunde, mit anderen Hunden «normal» zu kommunizieren.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass viele Vierbeiner ständig unbemerkt provozieren, manchmal sehr subtil, oft mit lautem Gekläff, meist ohne Konsequenzen oder sogar mit beruhigenden Worten des Besitzers (was das Verhalten des Hundes bestätigt und verstärkt). Natürlich wissen wir nicht, ob dies im vorliegenden Fall zutrifft. Auch hier können wir uns keine fundierte Meinung bilden.

Die verhältnismässige Einmischung der Behörden im Kanton Zug ist eine Wohltat! Sie sichert eine fundierte Abklärung des Falles und greift ein, wenn die Fakten eindeutig sind. Listen oder Verbote sind keine Lösung. Sie fördern im besten Fall die Zunahme an Klein- und Familienhunden, die sich nicht «hündisch» zu benehmen wissen und ein übersteigertes Ego haben.

Eine kantonale Leinenpflicht ist aus meiner Sicht tierschutzrelevant und würde alle hundegerecht geführten Vierbeiner bestrafen. Angebracht wäre es, alle Hundehalter in die Pflicht zu nehmen, dafür zu sorgen, dass es genügend Hundeplätze für Freilauf und qualifiziertes (obligatorisches) Training gibt, wo – vor allem auch dem Hundehalter – Werte wie Respekt und Anstand und die Sprache des Hundes vermittelt werden.

Und: Wünschenswert wäre es, wenn Hundehalter miteinander reden würden, anstatt sich das Leben gegenseitig schwer zu machen!

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