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Initiative steht quer zum Anliegen von Verdichtung

Zur Abstimmung «Hindernisfreies Bauen» in Nidwalden am 5. Juni

Zitat der Befürworter: «Anpassbarer Wohnungsbau ist möglich ohne Mehrkosten, wenn frühzeitig bei der Planung die Grundrisse beachtet werden.» Diese Argumente sind aus Architektensicht schönfärberisch bis grob missbräuchlich. Das Zitat stimmt für Geschosswohnungen bei grösseren Bauten ab vier Geschossen, bei denen die ganze Wohnung auf der gleichen Ebene liegt und diese durch einen Lift erschlossen wird. Bauliche Mehrkosten entstehen hier nicht. Aber genau diese Wohnungen meint die Initiative ja nicht, da es zu wenig solche Bauten gebe in Nidwalden.

Hingegen werden oft nachgefragte Mehrebenenwohnungen wie Reihenhäuser, Maisonettewohnungen oder Dachausbauten, wie sie oft in kleineren Mehrfamilienhäusern zu finden sind, durch die vorgeschlagenen Massnahmen praktisch verhindert. Die wohnungsinterne Erschliessung ist 90 Zentimeter breit, und das grössere Bad liegt im falschen Geschoss. Das heisst, man muss im Grundriss für eine allfällige künftige Nutzung Flächen freihalten, die nicht vernünftig genutzt werden können. Aus meiner Erfahrung addieren sich all diese (für Lift, Korridor, Treppenbreiten und rollstuhlgängiges WC) zu einer Zimmergrösse pro Wohnung. Grösser ist schöner, ohne Zweifel, aber diese Mehrgrösse hat einen klar bezifferbaren Preis.

Auch bei kleineren Mehrfamilienhäusern mit zwei Wohnungen pro Geschoss und zwei bis drei Stockwerken ist der Einbau eines Lifts völlig unüblich und wirtschaftlich unsinnig. Wenn aber auch die oberste Wohnung im Rollstuhl bei Bedarf erreichbar sein muss, wird man diesen Lift von Beginn weg einbauen mit Kosten von 100 bis 140 Franken pro Wohnung und Monat. Der heute übliche pragmatische Ansatz, dass man die Erdgeschosswohnungen so gestaltet, dass sie für Behinderte gut zugänglich sind, entfällt somit leider. Wir sprechen heute viel von Verdichten und mehr Flächensparsamkeit zu Gunsten bezahlbarer Wohnungen. Die Initiative steht komplett quer dazu und ist deshalb abzulehnen.

Thomas Enzmann, Architekt, Rotkreuz

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