Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ist in Zug die vorausschauende Fantasie verloren gegangen?

«Die Stadt will das Areal freigeben», Ausgabe vom 3. Januar
Willi Vollenweider, Mitglied Des Grossen Gemeinderats, Parteilos, Zug

Unglaublich. Das Grundstück, worauf sich zurzeit der Güterbahnhof Zug inklusive Ökihof befindet, soll nun zu Spekulationszwecken überbaut werden. Nein, diesmal nicht durch einen «ach so bösen» Privateigentümer. Nein, diesmal quasi durch «uns selber», durch die uns allen gehörende SBB. Diese findet, dass das ihr vor langer Zeit zweckgebunden für den Bahnbetrieb überlassene Grundstück von ihr künftig nicht mehr zu diesem Zweck gebraucht werde und sie es deshalb jetzt beliebig mit bahnbetriebsfremden Hochhäusern überstellen dürfe. Um die Wohnungen darin anschliessend, so wie in der Europa-Allee in Zürich geschehen, den Meistbietenden zu versteigern. Diese Verkehrspolitik von Stadt und Kanton Zug ist verkehrt. Selbst wenn tatsächlich das Areal nicht mehr als Ganzes für den Güterverlad gebraucht würde, heisst das doch noch lange nicht, dass das Areal für die Verkehrs­erschliessung unserer Stadt bedeutungslos wäre. Mit dem neuen Hochhausreglement der Stadt werden im nördlichen Zug Tausende von Wohnungen und Tausende neuer Büroarbeitsplätze eher rascher als erwartet gebaut werden. Geldschwemme, Anlagenotstand und die Steueroase Zug be­feuern das «Hochhaus-Bau-­Eldorado Zug».

Verdrängt wurden bisher offenbar unpopuläre Fragen, wie denn dereinst der ganze kommende Mehrverkehr bewältigt werden soll. Ausbau der Baarer-, Chamer-, Bahnhof-, Arther- und General-Guisan-Strassen auf vier Spuren? Wohl kaum. Die Aussicht auf Tausende zusätzlicher Zu- und Weg-Pendler schon allein in der Stadt Zug, ganz zu schweigen von der sonstigen immensen Bau­tätigkeit im Kanton, sollte doch eigentlich unsere Stadt-, Verkehrs- und Raumplaner alarmieren. Tut sie aber nicht.

So gewichtet der Regierungsrat das rein kurzfristig-monetäre Interesse der SBB, das Güterbahnhof-Areal zweckentfremdet mit unschönen Spekulationsbauten zu überziehen, höher als den Anspruch der Zuger Bevölkerung auf eine sinnvolle Stadt- und Verkehrsplanung. Vernünftige künftige Nutzungen des Areals gibt es derweil zuhauf: Standplätze für den kommenden ZVB-Bus-Mehrverkehr, Haltestellen für Reisecars, Ski-Busse und künf­tige Fernbusse (Bahnliberalisierung), zusätzliche Velo-Abstellplätze mit neuer Personen-/Velo-Unterführung hinüber zum L&G-Areal, Standplätze für künftige selbstfahrende e-Taxis sowie für Carsharing (Mobility), zweite Zone für Kiosks, Kaffeebars und dergleichen (wie West-Unterführung im Hauptbahnhof Zürich, Parkhaus (Park & Ride), eventuell Abstellflächen für ZVB-Einsatzbusse falls das ZVB-Areal an die Stadtperipherie verlegt wird. Zu berücksichtigen ist auch eine Flächenkompensation des geplanten Baus des Geleises 8 an der Westseite des Bahnhofs, der dort einen Teil der Strassenverkehrsfläche aufheben wird.

Auch eine regional wichtige Schule wie eine Berufs-, Fach- oder Wirtschaftsmittelschule, direkt beim Bahnhof Zug, wäre zu überlegen. In Rotkreuz ging das ja auch. In unmittelbarer Bahnhofsnähe braucht es im Übrigen auch ein grösseres Hotel. Das war ja schon die Absicht beim Park-Tower, wurde dann aber dort nicht umgesetzt. Es gäbe noch zahlreiche weitere publikumsintensive Nutzungen – man müsste nur etwas nachdenken. Die Spekulanten der SBB-Immobilien-Abteilung agieren hier ganz klar gegen die Interessen der Zuger und Zugerinnen. Wieso der Kanton die Ansprüche der Zuger Bevölkerung einfach ignoriert und vor der SBB kapituliert, ist mir schleierhaft. Ist uns in Zug die vorausschauende, kreativ gestaltende und planende Fantasie wirklich total abhandengekommen?

Willi Vollenweider, Mitglied des Grossen Gemeinderats, parteilos, Zug

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.