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Leserbrief

Kein schlechter Wille

«SBB erhöhen Druck auf den Bund», Ausgabe vom 17. Mai

Die Tatsache, dass Schnellzüge von Zürich und Luzern den Gotthard-Basistunnel nicht in beliebiger Zahl und zu allen Zeiten durchqueren können, beruht nicht auf schlechtem Willen des Bundesamtes für Verkehr, sondern auf den unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Züge. Während Reisezüge im Tunnel mit 200 km/h verkehren, erreichen die Güterzüge nur 100 km/h. Überholungsgleise bestehen nicht. Der längste Tunnel der Welt ist deshalb weniger leistungsfähig als Doppelspuren im Freien.

Der seinerzeitige politische Entscheid, Erstfeld durch die Verlegung des Tunnelportals von Amsteg in die Rynächt zu entlasten, hat den Tunnel um 8 auf 57 km verlängert und das Problem verschärft. Der politische Beschluss, den 35 km langen Lötschberg-Basistunnel auf zwei Dritteln nur einspurig auszubauen, um entgegen dem Wunsch Italiens, Mailand zu umfahren, mehr Güter auf die Gotthardlinie zu zwingen, hat sich ähnlich ausgewirkt. Nach dem Versprechen die enorme Investition für den Gotthard-Basistunnel primär zur Verlagerung von Gütern auf die Bahn zu tätigen, kann das Bundesamt nicht einfach politischen Pressionen folgend mehr günstige Trassen dem Reiseverkehr zuteilen. Schnellere Güterzüge sind technisch möglich, aber unwirtschaftlich. Die Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h (Spitzen der SBB schwärmen gar von 250 km/h) der Schnellzüge ist nicht notwendig. Vor dem 50 km langen Kanaltunnel mässigen sowohl die französischen wie die englischen Eurostar-Züge ihr Tempo von 300 auf 160 km/h. Die gleiche Geschwindigkeit im Gotthard-Basistunnel würde die Kapazität steigern und die Fahrzeit nur um wenige Minuten verlängern. Im Gegenzug könnten sich die Bundesinstanzen um eine Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit von 71 km/h auf dem Abschnitt Chiasso–Mailand bemühen.

Hans Bosshard, Hünenberg See

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