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Leserdebatte

Kindergarten- und Schuleintritt: Es geht um die Frage, was für die Kinder das Beste ist

«Die CVP will Eltern mehr Freiheit geben», Ausgabe vom 8. Oktober

Das Kindergarten-Eintrittsalter beschäftigt unsere Gesellschaft aus diversen Gründen intensiv, wie dieser Artikel und der Bericht «Regierung stützt Chindsgi-Start im Februar» aufzeigen. Beide Artikel befassen sich mit dem idealen, optimalen Eintrittsalter vor allem aus der Sicht der Erwachsenen. Die Frage, welches Eintrittsalter aus der Sicht der betroffenen Kinder gut wäre, wird weder gestellt, noch beantwortet. Während meiner Ausbildung vor 35 Jahren habe ich im Kinderspital Luzern gelernt, dass als Reifezeichen eines Kindes herangezogen werden kann, in welchem Alter es sich von seinen Hauptbezugspersonen ohne Angstreaktion und zeitlich begrenzt trennen kann. Diese Fähigkeit wurde mit fünf bis sieben Jahren angegeben. Es mag sein, dass sich die damalige «Wissenschaft» getäuscht hat. Es mag sein, dass die heutige «Wissenschaft» von einem Alter von drei bis vier Jahren ausgeht. Wirklich wissen tun es nur die betroffenen Kinder und jedes ganz individuell für sich selber. Spüren können es die Hauptbezugspersonen, in der Regel die Eltern. Der (durch äussere Gegebenheiten nicht beeinflusste) elterliche Instinkt ist verlässlicher als die «Erkenntnis» der «Wissenschaft», die sich hier mit Menschen befasst, deren Gedanken uns Erwachsenen oft verborgen bleiben. Der Ansatz, die Eltern zu unterstützen, geht in die richtige Richtung. Wenn den Kindern gedient sein soll, müssen die Eltern ermutigt werden, im Zweifelsfall ihrem natürlichen Instinkt stärker zu folgen als äusserlichen Einflüssen. Dass die Frage «was ist jetzt das Beste und für wen?» auch zwingende Gegebenheiten berücksichtigen wird, ändert an diesem Grundsatz nichts.

Jörg Fritschi, Obernau, pens. Allg. Arzt FMH


Die Eltern haben die Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Kinder. In den Harmos-Kantonen besuchen die jüngsten Kinder mit knapp vier Jahren den Kindergarten. Eine Kindergartenklasse besteht vielerorts aus über 20 Kindern und einer einzigen Kindergärtnerin. Nicht alle absolut normal entwickelten, knapp vierjährigen Kinder fühlen sich aber in einer so grossen Gruppe aufgehoben. Sie sind teils überfordert und können deshalb nicht wirklich vom reichen Angebot im Kindergarten profitieren. Da in vielen Kantonen die Finanzlage angespannt ist, können die Bedingungen zwar in privaten, nicht aber in öffentlichen Kindergärten den Bedürfnissen der jungen Kinder angepasst werden. Daher macht es Sinn, den Eltern wie im Kanton Bern das Recht über den Zeitpunkt des Kindergarteneintritts zuzugestehen. Fünf bis zehn Prozent entscheiden sich, dass ihre Kinder erst im Alter von fünf Jahren den Kindergarten besuchen. Der Kanton Bern scheint mit dieser flexiblen und kostenneutralen Lösung sehr gut zu fahren. Ziel muss es sein, dass unsere Jüngsten im Kindergarten ein Betreuungs- und Entwicklungsumfeld antreffen, das sie nicht überfordert und ihnen einen geglückten Kindergartenstart ermöglicht. Negative Auswirkungen hat ein Rückstellungsrecht der Eltern, wie wir es auch im Aargau kennen, keine: Ein später in den Kindergarten geschicktes Kind kann ohne weiteres bereits nach einem Kindergartenjahr eingeschult werden, wenn die Lehrpersonen erkennen, dass es den nötigen Entwicklungsstand aufweist. Alle anderen Kinder dürfen sich in einem zweiten Kindergartenjahr weiter entwickeln, um danach gestärkt und ohne sonderpädagogische Massnahmen in die Schule einzutreten. Nachdenklich sollte uns auch stimmen, dass es im Kanton Nidwalden einem beträchtlichen Anteil der Schulabgänger bis zum 15. Geburtstag nicht gelingt, einen erfolgreichen Berufswahlprozess mit anschliessendem Lehrvertrag abzuschliessen. Man erwägt dort deshalb, das Einschulungsalter aller Kinder auf vier Jahre und fünf Monate zu erhöhen.

Sandra Beriger, Entwicklungspsychologin und Andrea Gmür, Luzern, Nationalrätin CVP

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