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Kleinkarierter Streit um eine Schwangerschaftswoche mehr oder weniger?

«Kinderärzte hoffen auf Einigung», Ausgabe vom 5. Juli

Nach den letzten Artikeln über die Verhandlungen der Kinderärzte mit der Spitalverwaltung kam bei mir der Eindruck auf, dass die Verhandlungen an einem «Detail», nämlich der Entbindung eine Woche früher oder später, zu scheitern drohen. Tönt etwas kleinkariert darüber zu streiten ...? Aber halt! Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer beträgt bekanntlich 40 Wochen plus/mi­nus zwei Wochen. Das beruht auf der Unsicherheit der Empfängnis. Das heisst, ein Kind offiziell in der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren, kann durchaus erst 33 SSW oder auch 37 SSW alt sein. Entsprechend sind die Kinder in dieser Gruppe auch von ihren Problemen her sehr heterogen. Das eine ist schon 2,3 kg schwer und kann seine Lebensfunktionen in allen Bereichen schon hervorragend aufrechterhalten, das an­dere Kind ist 1,7 kg leicht und braucht schon bei basalen Kör­perfunktionen, wie Temperaturregulation, Saugen, Blutzuckerregulation, Neugeborenengelbsucht medizinisch-kompetente Unterstützung. Ich erwähne bewusst die schweren Atem­regulationsstörungen und Infektionen nicht, die diese Kinder signifikant häufiger haben und sowieso eine Verlegung in eine neonatologische Intensivstation nötig machen.

Gemäss schweizerischen Zahlen ist bei den Kindern, die zwischen der 34. und 35. SSW geboren werden, bei 50 Prozent eine intensivmedizinische Be­treuung nötig, die nicht von einer Frauenklinik geleistet werden kann. Für mich heisst das: Das Kantonsspital Zug nimmt mit der Absenkung der Geburten auf 34 SSW bewusst in Kauf, dass 50 Prozent der Kinder unmittelbar nach der Geburt von der Mutter getrennt und nach Luzern verlegt werden müssen. Dass dem sowieso schon gefährdeten Frühgeborenen dieser Stress zugemutet und die Trennung von Mutter und Kind riskiert wird, ist für mich nicht nachvollziehbar und in keinster Weise baby- oder familyfriendly. Könnte es sein, dass eine Geburt mehr Geld einbringt als eine rechtzeitige intrauterine Verlegung von Mutter und Kind, wenn die Geburt vor der 35. SSW droht? Könnte es sein, dass nicht die Bedürfnisse der immer älter werdenden Mütter im Vordergrund stehen, sondern die Gewinnoptimierung der Geburtsklinik?

Von kinderärztlicher Seite werden die Verhandlungen nicht an der Entlöhnung scheitern, sondern einzig und allein an einem medizinischen Management, das der kinderärzt­lichen Ethik widerspricht.

Victoria Marty, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Baar

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