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Lesermeinungen zum Hochhausreglement der Stadt Zug

Zur Abstimmung vom 26. November in der Stadt Zug über das Hochhausreglement

Was verbirgt sich hinter dem vorliegenden Hochhausreglement, über das wir am 26. November abstimmen werden? Ist es wirklich die zukünftige Grundlage einer attraktiven Stadtentwicklung für alle Bevölkerungsschichten? Wohl kaum! Laut §13 wird zwingend für jedes einzelne Gebäude ein Wettbewerb verlangt. Ein solcher Wettbewerb verursacht zusätzliche Baukosten von zirka 200 000 bis 500 000 Franken. Hochhäuser kommen aufgrund höherer Sicherheitsanforderungen schon 20 bis 25 Prozent teurer zu stehen als Normalbauten. Es ist bekannt, dass sich solche Mehrkosten erst ab zirka 20 bis 30 Stockwerken lohnen, je nach Gebäudetyp und Nutzung. Diese Dimensionen sind aber zurzeit nicht vorgesehen.

Dazu kommt: Von wem werden diese Wettbewerbe beurteilt? Wir haben in Zug einige missglückte städtebauliche Beispiele aus neuerer Zeit, die aus Wettbewerben hervorgegangen sind. Die geforderte architektonische Qualität, was ist das? Bei genauerer Klärung dieses Begriffes entpuppt sie sich als subjektive, unqualifizierte Worthülse, die sich nur auf Äusserlichkeiten bezieht und mit Modeströmungen bei der Kleidermode (Farbe und Schnitt) gleichzusetzen ist. Es kann gefallen oder eben nicht, hat aber mit echten Qualitätskriterien von Gebäuden (Bauausführung, Funktionalität usw.) nichts zu tun. Die unter §14 zwingend verlangten zusätzlichen Unterlagen sprengen jedes vernünftige Mass, und es können Jahre verstreichen, bis es zu einer Baubewilligung kommt. Damit entstehen zusätzliche Kosten. Wozu? Zur Arbeitsbeschaffung von Stilwächtern? Durch einen solchen Vorschriftendschungel ist jeder Bauherr der Willkür ausgesetzt, die Stadt wird damit weder schöner noch attraktiver. Im Gegenteil: Weitere Monotonie ist zu befürchten, und bezahl­bare Wohnungen und Gewerbeflächen können kaum mehr realisiert werden. Damit wird Handwerkern, Detaillisten und Gewerbetreibenden in den betroffenen Quartieren die Existenzgrundlage entzogen und ein Grossteil der ansässigen Wohnbevölkerung aus den Quartieren verdrängt. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, und Bedürfnisse können sich sehr schnell ändern. Für eine gesunde zielgerichtete Stadtentwicklung braucht es flexible Bauordnungen, die den Bedürfnissen angepasst werden können und auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen, wobei Verdichtungen und Hochhäuser in bestimmten Zonen nicht ausgeschlossen sind. Unflexible, komplizierte und in Stein gemeisselte Reglemente und Vorschriften führen in die falsche Richtung. Mit dieser Vorlage kann in Zukunft in der Stadt Zug kaum mehr bedürfnisgerecht und wirtschaftlich gebaut werden.

Jürg Wickart, Zug

Die Stadt Zug schickt sich an, alle Kleinstädte des Landes zu übertrumpfen. Man folgt raumplanerisch der alten Börsenregel «la hausse amène la hausse», anders gesagt: ein Höhenflug folgt dem andern. Geltende Gesetze scheinen den Schritt zu begünstigen. Das bestehende Baugebiet wird verdichtet, statt es auszudehnen. Das haben wir so gewollt. Ob der Schritt auch im Einzelnen passt, werden allein die Stimmberechtigten von Zug entscheiden.

Das Hochhausreglement weist allerdings über die Stadt hinaus. Daher auch die Frage eines Nachbarn, wie es um den Verkehr im Kantonshauptort steht, wenn ein Hochhaus ums andere mehr Menschen in die Stadt zieht. Wann dürfen wir mit doppelstöckigen S-Bahnen rechnen, wann mit einer Con­gestion-Charge (Gebühr gegen Verstopfung) wie in London?

Dass der Blick auf die Rigi auch in Steinhausen ein anderer wird, ist mit 50 Meter hohen Gebäuden im Choller gut möglich. Was meint wohl unser Gemeinderat dazu? Der Stadtrat von Zug hat die Aussichts­lagen im Griff. Dank des Reglements tritt der Aussichtschutz auf dem Guggi und im Rötelberg bei neuen Hochhäusern zurück. Es gibt diesen Schutz dann nicht mehr, dafür eine schöne Aussicht aus den höheren Etagen stets wohlgestalteter Hochhäuser.

Max Gisler, Steinhausen

Es ist, wie wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Fast schon wie Hochhäuser schiessen die Ja-Plakate aus dem Boden und säumen unsere Strassen. Warum nur wird so viel Geld in diese Kampagne investiert? Haben Sie sich das auch schon gefragt? Die Antwort ist klar, es geht um viel Geld, jedenfalls auf der einen Seite.

Die Befürworter des Hochhausreglements loben die positiven Seiten des Reglements, ein Reglement, das durch Fachgremien während zehn Jahren städteplanerisch analysiert und erarbeitet worden ist. Diesen Prozess hat die Bau- und Planungskommission (BPK) des Grossen Gemeinderates (GGR) während der letzten drei Jahre begleitet. Das Pro-Komitee erwähnt mit keinem Wort, dass es den gut ausbalancierten Vorschlag von Stadt und BPK in letzter Minute mit Hilfe der bürgerlichen Fraktionen im GGR hat zerreissen lassen. Ich bin der Meinung, dass unsere Stadt ein besseres Reglement verdient hat, ein Reglement, das nicht den Bau von Hochhäusern fördert und geradezu impliziert, sondern ein Reglement, das städtebaulich ausgeglichen ist und den nächsten Generationen auch noch Luft lässt.

Die Worte der Befürworter wirken auf mich extrem beschönigend. Überhaupt nicht zur Geltung kommt dabei, dass drei wesentliche Elemente im Reglement abgeändert oder rausgeworfen worden sind. Die Hochhauszonen wurden teilweise ausgeweitet, sowie auch die möglichen Standorte für 80-Meter-Häuser. Ein besonderes Anliegen der BPK, nämlich die konkrete Festsetzung, welche Dimensionen und Massstäbe ein Hochhaus am Boden haben soll (Footprint), findet keinen Niederschlag mehr im Reglement. Und ganz fatal für eine lebendige Stadt: Klare, differenzierte Vorschriften an die Erdgeschossnutzung wurden fallengelassen.

Die Stadt Zug hat Besseres verdient. Ich bin überzeugt, dass wir richtig handeln, wenn wir unsere Seele nicht verkaufen. Darum: Legen auch Sie am 26. November ein Nein in die Urne.

Isabelle Reinhart-Engel, CVP, Mitglied der Bau- und Planungskommission im GGR, Zug

«Die Stadt braucht Luft», steht in grossen Buchstaben auf der Titelseite des vierseitigen Flugblatts des Komitees «Ja zum Hochhausreglement der Stadt Zug», worüber wir am 26. November abstimmen dürfen. Dieser Urnengang wurde notwendig, weil 14 von 36 Mitgliedern des Grossen Gemeinderates mit guten Gründen dies (in der Fachsprache: Behördenreferendum) verlangten.

Ja haben wir denn keine Luft? Natürlich haben wir, wie andernorts auch, genügend davon, nur dürfte sie sauberer sein. Und vor allem weniger Abgase enthalten. Doch in Tat und Wahrheit geht es um etwas ganz anderes, nämlich um eine Erweiterung der Hochhauszone links und rechts der Baarerstrasse vom Café Speck bis an die Grenze zur Gemeinde Baar. Dies war ursprünglich nicht die Meinung des Stadtrats, was denn auch in den Erläuterungen zuhanden der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auf Seite 15 wie folgt zu lesen steht: Seinen Vorschlag, «die Hochhauszone auf drei ausgewählte Gebiete zu reduzieren, lehnte der GGR ab».

Dieses Gebiet nimmt sich, wie auf dem oben erwähnten Flugblatt raffiniert dargestellt, allerdings recht bescheiden aus, denn da wurde als Vergleichsfläche gleich das ganze Gemeindegebiet gewählt. Deshalb lohnt es sich sehr, auf Seite 11 der obigen Erläuterungen den entsprechenden Teil des Stadtplans zu konsultieren, um zu sehen, was da im Detail auf uns zuzukommen droht. Mit dieser geplanten zerstörerischen Zubetonierung eines wichtigen Teils von Zug weht keineswegs mehr Luft, aber die neue (Geld-)Luft wird einzig und allein in die Kassen der Grundstückspekulanten und Teilen der Baulobby wehen. Für Mieter mit einem eher kleineren Einkommen wird da nichts zu haben sein, wie die vor einiger Zeit errichteten unansehnlichen Hochhäuser Uptown und Park Tower beweisen.

Doch noch nicht genug mit diesen eindeutigen Verunstaltungen. Neu sollen auch in der Äusseren Lorzenallmend (eine bisher grosse Grünfläche!) Hochhäuser erlaubt sein. Wer sich übrigens für all diese Fehlplanungen einsetzt, ist aus dem oben erwähnten Flugblatt allerdings nicht ersichtlich. Erst im Internet sind diese unter «hh-reglement.ch» zu finden.

Urs Diethelm, Zug

Die Stadt Zug soll sich entwickeln können. Die bereits gebauten Hochhäuser haben gezeigt, dass sie sich gut ins Stadtbild einfügen, dass sich das Höherbauen bewährt hat. Sie haben aber auch gezeigt, dass wir eine Regelung, wo Hochhäuser gebaut werden können, benötigen.

Ausgerechnet die Gegner von Hochhäusern wollen nun eine Regelung verhindern und damit einen ungeregelten und rechtsunsicheren Zustand über Jahre zementieren und nehmen einen Wildwuchs in Kauf.

Wollen wir eine Bauordnung, die in Zukunft zulässt, dass wir geordnet hohe Häuser bauen können, so dürfen wir weder eine Überregulierung à la SP noch einen Freipass für Investitionen zulassen. Deshalb kommt am 26. November nur ein Ja in Frage.

Andrea Hodel, Zug

Man weiss nicht, ob man über das Plakat der Gegner des Hochhausreglements lachen oder weinen soll. Lachen, weil dem nicht nur anonymen, sondern offenbar auch von den guten Geistern verlassenen Gegenkomitee nichts Besseres einfällt, als einen spätmittelalterlichen Stadtoberen für ihr zukunftsfeindliches und destruktives Nein zu bemühen. Wie wenn sich die Identität von Zug und seine Attraktivität nicht viel eher aus seiner klugen und offenen Wirtschafts- und Steuerpolitik ergeben würde als aus der Erinnerung an die ennetbergischen Händel vor 600 Jahren! Weinen, weil gleichzeitig der heldenhafte Peter Kolin für die Sache der Ängstlichkeit vereinnahmt, ja geradezu missbraucht wird. Nach allem, was die Überlieferung weiss, war Pannerträger Kolin ja nicht nur ein mutiger Krieger, sondern auch eine durch und durch unternehmerische Figur, ein Mann, der Luft zum Atmen brauchte! Man wollte ja 1422 mit dem Feldzug nach Bellinzona im Tessin nicht einfach das eigene «idyllische» Städtchen bewahren, sondern den Reichtum vermehren, die wirtschaftliche Basis stärken. Ein Wachstumsstopp, wie er von Willi Vollenweider propagiert wird, war auf jeden Fall bei den Kolins nicht angesagt. Ich bin sicher: Peter Kolin würde am 26. November Ja stimmen!

Gregor R. Bruhin, Fraktionspräsident SVP im GGR, Zug

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