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Leserstimmen zur Abstimmung über das Hochhausreglement in der Stadt Zug

Zur Abstimmung vom 26. November

Hochhäuser beeinflussen ihre Umgebung nicht nur durch ihre dritte Dimension, nämlich die Höhe; sondern auch durch ihren Schattenwurf. Wer möchte schon im Schatten wohnen und täglich stundenlang warten, bis der Betonklotz die Sonne freigibt?

Genau darum ist der Schattenwurf wichtig bei der Planung und Realisierung von Hochhäusern. Der Schattenwurf ist quasi der wirksame Gebäudeabstand zum Nachbarn. Beim Hochhausreglement in Zürich hat dies vor einigen Jahren zu intensiven Diskussionen geführt. Wie darf ein Hochhaus seine Umgebung beeinflussen? Man hat sich dann im Zürcher Hochhausreglement für einen zulässigen 2-Stunden-Schattenwurf entschieden. Nach Zuger Reglement (§ 11) ist ein 3 Stunden dauernder Schattenwurf zulässig. Die Zuger im Einflussbereich eines Hochhauses sitzen also eine Stunde länger im Schatten als die Zürcher. Damit ist Zug einmal mehr Spitze: Es stellt die Zürcher beim Schattenwurf buchstäblich in den Schatten.

Das ist aber noch nicht alles. Unter § 11 Absatz c) des Hochhausreglements steht: «Innerhalb der Hochhauszonen sind nachbarrechtliche Beeinträchtigungen durch Schattenwurf nicht zu beachten.» Das bedeutet: Man kann also innerhalb der Hochhauszone klotzen, bis die vom Kanton gewünschte Ausnutzung von 3,5 konsumiert ist. Damit ist auch ein Dauerschatten möglich. Nach geltender Bauordnung der Stadt Zug ist in der Kernzone C eine maximale Ausnutzung von 2,1 zulässig. Die Ausnutzung von 3,5 bedeutet eine zusätzliche Verdichtung von 67 Prozent gegenüber der heutigen Bauordnung, welche 2009 vom Stadtzuger Stimmvolk genehmigt wurde. In den Abstimmungsunterlagen steht aber davon kein Wort. Wenn das Hochhausreglement angenommen wird, gilt diese enorme, zusätzliche Verdichtung.» Sind dies die geordneten Bahnen, welche die Befürworter ins Feld führen? Wollen wir dies unseren Nachkommen zumuten? Darum Nein zum Hochhausreglement.

Heinz Gross, Zug

Das neue Hochhausreglement der Stadt Zug ist ein Unikum (und meines Wissens das erste seiner Art in der Schweiz). Es umschreibt in den Paragrafen 6 und 7 über anderthalb Seiten nicht in Amtsdeutsch, sondern in Architektursprache die städtebaulichen und architektonischen Anforderungen an Gebäude, die höher als 30 Meter sind. Juristen haben zwar vor solchen Formulierungen in einem grundeigentümerverbindlichen Rechtstext gewarnt. Der Grosse Gemeinderat hat trotzdem seinen Segen dazu gegeben, weil das ganze Projekt Hochhausreglement Resultat der langjährigen Bemühungen um bauliche Qualität in der Stadt Zug ist.

Ihren Ursprung haben diese Bemühungen in einer städtebaulichen Analyse des renommierten Büros Meili Peter Architekten. Hohe Häuser stellen immer grosse Herausforderungen dar. Bevor überhaupt ein Reglement greifen kann, müssen eine geeignete Parzelle und vor allem eine Bauherrschaft da sein, die willig ist, sich auf ein langwieriges, komplexes Verfahren einzulassen und das Risiko einzugehen, die Planungskosten wegen eines negativen Entscheids des Parlaments oder gar des Volkes abschreiben zu müssen. Wegen dieser ohnehin schon hohen Hürden macht es keinen Sinn, ein solches Reglement über die genannten Qualitätsanforderungen hinaus zu überreglementieren. Natürlich kann man eine architekturtheoretische Diskussion um den Footprint oder ein Seitenverhältnis führen. Aber jedes grosse Bauprojekt ist ein Unikat, für das immer wieder individuelle, spezifische Lösungen gefunden werden müssen. Dafür gibt es bekanntlich ein bewährtes Verfahren: den Architekturwettbewerb. Und zu Gunsten der hohen Qualität sieht das Hochhausreglement gleich einen doppelten Wettbewerb vor: auf der städtebaulichen Stufe ein Variantenstudium oder ein Konkurrenzverfahren. Daraus soll der Bebauungsplan hervorgehen. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, folgt ein qualifizierter Projektwettbewerb zur Wahl eines Bauprojektes. Also mehrere Jahre der Vorbereitung und mehr als genug Zeit, über Proportionen und Gebäudefussabdrücke zu diskutieren. Wenn man solche Details auch noch im Voraus regulieren will, geht am Ende gar nichts mehr. Deswegen verdient die jetzt vom Grossen Gemeinderat beschlossene Version des Hochhausreglements am 26. November ein klares Ja an der Urne.

Norbert Truffer, Obmann BSA Bund Schweizer Architekten Zentralschweiz, Luzern

Alle Parteien wollen grundsätzlich ein griffiges Hochhausreglement, da es ein unverzichtbarer Baustein für die zukünftige Entwicklung unserer Stadt Zug sein wird. Nun wollen uns die Gegner des Hochhausreglements plötzlich Angst machen. Sie polemisieren mit der Vorstellung von «klotziger» Architektur und der Gefahr von kommerzieller Maximierung durch Investoren ohne Rücksicht auf städtebauliche Qualität. Sie versteifen sich auf restriktive Formulierungen, welche attraktive, innovative Projektentwicklungen stark einschränken würden. Wir sehen es genau umgekehrt und plädieren für offene Reglementsformulierungen! Ein Spielraum ist umso mehr notwendig, da gemäss Hochhausreglement für jedes neue Hochhaus obligatorisch ein Architekturwettbewerb verlangt wird, bei dem eine Jury die Qualität sichert. Dieser Paragraf «Wettbewerb» wird denn auch von erfahrenen Architekten und Städteplanern unterstützt. Das zur Abstimmung vorliegende sachdienliche Reglement darf nicht in politischen «Grabenkämpfen» untergehen. Ich empfehle Ihnen, Ja zu stimmen!

Peter Rütimann, FDP-Mitglied GGR und BPK, Zug

Die Stadt Zug lebt. Sie lässt Platz für unterschiedliche Lebensstile. Sie bietet die Seepromenade zum Flanieren an, einen Festplatz für Stierenmärt oder Zugermesse, aber auch einen Zugerberg-Trail für die Wagemutigen. Zug hat sich entwickelt und entwickelt sich weiter. Veränderungen am Postplatz, an der Baarerstrasse, aber auch in den Quartieren (Herti, Rötel) und sogar in der Altstadt werden sichtbar. Sie stören uns, wenn sie überraschend aus dem Boden schiessen, ohne dass wir vorbereitet oder gewarnt waren. Wir sind hingegen stolz auf Entwicklungen, wenn wir mitgestalten können.

Dass Veränderungen nicht ungeordnet oder nach einseitigen Privatinteressen stattfinden, überwacht die Raumplanung. Das Hochhausreglement ist ein wichtiger Teil dieser Planung. Unsere Zuger Nutzungsordnung und Planung lässt es offenbar zu, dass Hochhäuser überall gebaut werden können. Diesen Eindruck erhält man, wenn man vom Zugerberg aus auf die vier Hochhäuser herunterschaut. Das kann man schön, auch auflockernd empfinden. Man kann es aber auch als unzugerisch geisseln. Verhindern wird man diese Bauweise kaum. Das Hochhausreglement und seine im Detail diskutierten Einzelbestimmungen bringen der Stadt keine schöneren oder grässlicheren Bauten, die geliebt oder gehasst werden. Das Hochhausreglement wird jedoch dazu führen, dass wir wissen, wo die neuen Himmelsgebilde errichtet werden – und vor allem, wo sie nicht errichtet werden. Wegen meinem Interesse an der Erhaltung unserer Denkmäler und dem Schutz der Altstadt und vor allem auch wegen dem Wunsch, dass sich die Stadt geordnet entwickeln kann, werde ich dem Hochhausreglement zustimmen. Der Perimeter verhindert, dass Hochhäuser geschützte Denkmäler umzingeln und «schlucken». Insbesondere dient er aber dem Schutz der Altstadt. Dort und in nächster Nähe dürfen – trotz baulicher und wohnlicher Toplage – keine Hochhäuser entstehen.

Meinrad Huser, Zug

Die Knappheit des Bodens, seine begrenzte Verfügbarkeit und seine koordinierte Bewirtschaftung gehören zu den grossen Herausforderungen unserer Zeit. So hat das Schweizer Stimmvolk 2013 der Teilrevision des Raumplanungsgesetzes (RPG), welche die Zersiedelung und den Verbrauch von Landwirtschaftsflächen begrenzt und eine Siedlungsentwicklung nach innen fördert, deutlich zugestimmt, der Kanton Zug sogar mit über 71 Prozent. Dies bedeutet, dass künftig Wachstum als Nutzungsverdichtung nach innen zu erfolgen hat, also Neubauten ausschliesslich in den bereits bestehenden Bauzonen zu realisieren sind. Eine Verdichtung nur über die Baumasse, wie dies z. B. auf dem Bohlgutsch in Zug gemacht wurde, soll nicht mehr möglich sein, verlangt doch das Raumplanungsgesetz einen Paradigmenwechsel hin zur effektiven baulichen Verdichtung mit zusätzlichem Wohn- und Arbeitsraum pro Flächeneinheit.

Die Zuger Altstadt gilt gemeinhin als qualitativ gutes und erstrebenswertes Wohn­gebiet. Dabei muss man sich bewusst sein, dass es auch das am meisten verdichtete Quartier der Stadt ist. Dichte ist also nicht per se schlecht. Unerlässlich ist aber, dass die Bauten harmonisch, kohärent und von hoher gestalterischer Qualität sind. Deshalb muss für die künftige bauliche Verdichtung eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem bereits Gebauten stattfinden, damit ortsspezifische Identitäten, charakteristische Bauten und wertvolle Freiräume erhalten bleiben. Dem Hochhaus kommt dabei, mit seinem geringen Bodenverbrauch, eine zentrale Rolle zu. Es trägt aber erst dann zur baulichen Verdichtung bei, wenn es in eine kompakte Baustruktur eingebunden ist. Deshalb ist weniger die absolute Höhe von Bedeutung als seine richtige Platzierung, Gestaltung und Nutzung im städtebaulichen Kontext.

Das Hochhausreglement der Stadt Zug ist das richtige Regelwerk dazu. Es definiert die Anforderungen an Hochhäuser, legt fest, wo künftig maximal wie hoch gebaut werden kann, präzisiert verbindliche Bestimmungen für Hochhausprojekte bezüglich Städtebau sowie Architektur und schafft Planungs- und Rechtssicherheit. Denn der heutige Wildwuchs an hohen Häusern in der Stadt muss gestoppt werden. Darum stimmen auch Sie Ja am 26. November.

Daniel Stadlin, Kantonsrat GLP, Zug

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