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Leserdebatte

Mehr Eigenverantwortung oder ein Zeichen an den Staat?

Zur Abstimmung über die Fair-Food-Initiative und die Initiative zu Ernährungssouveränität am 23. September

Das Schweizer Stimmvolk entscheidet bei der Abstimmung über die beiden Initiativen, was die Schweizer Bevölkerung künftig kaufen und essen darf – es geht also faktisch um eine Bevormundung. Dem Schweizer Staat werden dabei mehr Kompetenzen und vor allem Pflichten zugeteilt. Das führt zu höheren Staatsausgaben, weil zur Überprüfung der Gesetze die Bürokratie steigt und es mehr Kontrolleure, Administration, Beamte, Zollvorschriften und Juristen braucht. Es scheint mir, dass wir aus reiner Bequemlichkeit dem Staat immer mehr Aufgaben zuschieben, weil wir unser eigenes Handeln nicht hinterfragen und gegebenenfalls freiwillig ändern – bei diesen Initiativen insbesondere unser Konsumverhalten.

Felix Howald, Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, Luzern


Knapp die Hälfte, der in der Schweiz verkauften Lebensmittel werden importiert. Brauchen wir Erdbeeren an Weihnachten oder Äpfel aus Neuseeland? Denn eigentlich wissen wir es doch, dass diese riesige Auswahl an Lebensmitteln zu jeder Zeit in riesigen Monokulturen mit viel Chemie und tiefsten Löhnen produziert werden.

Und was tun wir hier im Schweizer Detailhandel? Mit unserer Auswahl können wir viel beeinflussen. Erfreulich: Die Umsätze für nachhaltig produzierte Lebensmittel steigen jedes Jahr. Für immer mehr Konsumenten geht es nicht um «billig, billig» und um «alle Produkte zu jeder Zeit», sondern sie wollen gesunde, natürliche, ökologisch und sozial produzierte Lebensmittel. Wir haben es in der Hand, mit dem Ja zur Fair-Food-Initiative ein Zeichen für mehr Gesundheit, Natürlichkeit und Fairness zu setzen. Mit dem Ja zu Fair-Food geben wir der Politik den klaren Auftrag, dass bei neuen Freihandelsverträgen die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Produktion zu fairen Löhnen vor Ort geschaffen werden.

Josef Bircher, Präsident Bio Luzern, Malters


Der Konsument verlangt gesunde, naturnahe und nachhaltige Nahrungsmittel. Als Produzent störe ich mich oft daran, dass die Produkte aus dem Ausland günstiger angeboten werden, weil sie nicht mit annähernd vergleichbaren Standards produziert worden sind.

Die Initianten wollen die ausländischen Produzenten nun verpflichten, mit den gleichen Standards Nahrungsmittel zu produzieren wie wir in der Schweiz. Dies würde bedeuten, dass die Nahrungsmittel aus dem Ausland in unseren Regalen gleichen Status erhalten. Die Produktion müsste mit vielen Kontrolleuren überwacht werden, was der Steuerzahler zu berappen hätte. Zudem würden diese Nahrungsmittel weniger Kosten, weil die Produktionskosten im Ausland nicht mit den schweizerischen verglichen werden können. Diese importierten Nahrungsmittel würden für den Konsumenten attraktiv und hätten den Vorzug bei der Auswahl. Also würden wir Landwirte erneut den Kürzeren ziehen.

Es geht nicht darum, den Konsumenten zu bevormunden, sondern die Grossverteiler aufzufordern, die einheimischen Produkte konsequent zu fördern und klar die Unterschiede aufzuzeigen, sei es in Bezug auf Pflanzenschutz, Tierschutz und soziale Rahmenbedingungen. Ich bin überzeugt, dass eine Annahme dieser beiden Initiativen sich für die Landwirtschaft negativ auswirken würde.

Markus Odermatt, Kantonsrat CVP, Ballwil


Die Fair-Food-Initiative und die Initiative für Ernährungssouveränität verfolgen ähnliche Ziele. Beide wollen, dass die komplette Lebensmittel-Produktion in der Schweiz fair und nachhaltig sein soll. Sie verlangen faire Arbeitsbedingungen in der Branche, eine genauere Deklaration der Lebensmittel und sie wollen die Lebensmittelverschwendung bekämpfen. Die Fair-Food-Initiative verlangt bei den Importen eine Produktionskontrolle, die nicht durchsetzbar ist.

Wie sollen wir Schweizer ins Ausland gehen, um den Herstellern auf die Finger zu schauen? Bei der Initiative für Ernährungssouveränität soll der Staat für mehr landwirtschaftliche Arbeitsplätze sorgen. Also eine klare Einmischung in den Arbeitsmarkt. Zudem will sie den Markt abschotten und auf Importe saftige Zölle erheben.

All diese Forderungen würden für die Kontrollen einen riesigen bürokratischen Aufwand bedeuten. Die Initiativen verletzen zudem bestehende Handelsabkommen mit anderen Ländern. Unsere geltenden Bestimmungen und Gesetze haben bereits heute sehr hohe Anforderungen. Für alles Weitere appelliere ich an die Eigenverantwortung.

Albert Vitali, Nationalrat FDP, Oberkirch

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