Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Leserbrief

Sterbehilfe: Kontroverse
über ein heikles Thema

«Selbstbestimmung ist ein Trugschluss», Ausgabe vom 13. Oktober
Gaby Kessler, Wettswil

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview mit Raimund Klesse. Und dafür, dass diese Zeitung dem Thema eine ganze Seite gewidmet hat. Als Pflegefachperson bin ich mit dem Thema alle paar Monate konfrontiert. Die Auseinandersetzung mit der Frage des freien Willens ist brennend aktuell.

Gaby Kessler, Wettswil


In seinem Interview zu den Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) zum Lebensende macht Raimund Klesse mehrere Aussagen, die nicht zutreffend sind. Niemand denkt daran, Suizidbeihilfe Kindern und Jugendlichen anzubieten. Diese wären weder urteilsfähig noch handlungsfähig. Fälschlicherweise bringt er akute suizidale Krisen in die Diskussion ein, bei denen nicht Suizidbeihilfe, sondern echte Hilfestellung angezeigt ist.

Herr Raimund Klesse und die Organisation, die er präsidiert, bekämpft das selbstbestimmte Sterben mit fundamentalistischen Standpunkten. Damit nimmt er in Kauf, dass schwer leidende und unheilbare Kranke nicht mehr selber bestimmen können, wann für sie das Mass des erträglichen Leidens erreicht ist.

Gregor Schubiger, Prof. Dr. med., Ebikon


Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Sonntagsspaziergang. Hat Herr Klesse überhaupt eine Ahnung davon, wie viel Angst, Panik, Verzweiflung ausgestanden werden muss, bis der Mensch, der ja grundsätzlich gerne lebt, bereit ist, seine Lieben, seine Existenz und alle Hoffnung aufzugeben? Es ist ein weiter, ein schmerzvoller und ein schrecklicher Weg, der nur dann begangen wird, wenn das Leiden unerträglich, die Lage aussichtslos geworden ist.

Beipflichten kann ich Herrn Klesse allerdings, wenn er davor warnt, dass Alte und Gebrechliche durch Angehörige sanft dahingehend beeinflusst werden könnten, den Freitod zu wählen, um den Kindern das Erbe zu erhalten. Hier sollte die Lage genau im Auge behalten werden. Dasselbe gilt für junge unheilbar Kranke.

Wenn aber ein alter Mensch seine Gebrechen nicht mehr ertragen kann und sterben möchte, sehe ich nicht ein, warum man ihm verbieten sollte, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Einerseits wird die Alterung der Gesellschaft beklagt, andererseits macht man ein solches Theater, wenn ein alter Mensch freiwillig und auf einigermassen angenehme Weise diese Erde verlassen möchte. Als Mitglied von Exit bin ich nach wie vor der Meinung, dass es dem Menschen erlaubt sein sollte, selbstbestimmt über sein eigenes Sterben zu entscheiden.

Ursula Huez-Galli, Luzern


Dieser Artikel ist eine Wohltat für meine Seele als Hausärztin. In einer Zeit, in der viele grundlegende Werte in Frage gestellt werden, in der die Ökonomisierung Einzug in die Medizin hält, ist es wichtig, uns bedingungslos an die Seite der Schwächsten zu stellen. Sterbehilfe bedeutet, den Menschen im Stich zu lassen. Es ist doch unsere Aufgabe als Ärzte, dem kranken Menschen in all seinen Phasen der Erkrankung, des Älterwerdens und zuletzt des Sterbens beizustehen und uns darum zu kümmern, sein Leiden zu lindern.

Annette Gehrig, Hausärztin, Sarnen


Ich kann mir das Interview von Journalistin Yasmin Kunz mit dem Arzt und Psychiater Raimund Klesse wahrheitsgetreuer und menschlich engagierter nicht vorstellen. Die durch und durch redlich gestellten Fragen (nicht mehr immer die Regel) führen direkt zum Kern der neuen Richtlinien punkto assistierten Selbstmordes. Der Personenkreis der SAMW will neu, dass die Verbindung der Schweizer Ärztinnen FMH, Menschen mit «unerträglichem Leiden» jeden Alters, auch Kinder und Jugendliche, geistig beeinträchtigte und psychisch angeschlagene, den Freitod ermöglichen soll. Mir stockt der Atem, wenn ich das nur schon lese. Damit wäre der Kreis von Leben zerstörenden Eingriffen geschlossen: am Lebensanfang mit dem erleichterten, hundertfach praktizierten Schwangerschaftsabbruch und mit dem neuen Gesetz zur Präimplantationsdiagnostik (PID) an Tausenden Jüngst-Menschen (wir alle waren auch einmal solche!). Bei mutlos gewordenen kranken und älteren Menschen durch Exit, Dignitas und Konsorten. Und nun auch noch die Abgabe oder sogar die Verabreichung von tödlichem Gift durch den Arzt? Ich appelliere an die Verantwortung und soziale Verbundenheit aller Mediziner gegenüber ihren Hilfe suchenden Patienten, am 25. Oktober die erweiterte Suizidhilfe abzulehnen. So etwas Barbarisches, zu tiefst Unmenschliches darf nicht in den ärztlichen Katalog aufgenommen werden. Und ich rufe mich und alle dazu auf, hellhöriger, empfindsamer und mitmenschbezogener durchs Leben zu gehen und die wichtigste Lebensaufgabe «Liebe deinen Nächsten und dich auch» mit Freude zu leben.

Claudia Meier-Preuschoff, Oberkirch


Im Beitrag suggeriert Raimund Klesse, dass mit den neuen SAMW-Richtlinien nun Kindern, Jugendlichen und geistig Behinderten Suizidhilfe geleistet würde. Das ist eine böswillige Unterstellung. Die Richtlinien regeln schwerpunktmässig die Palliativmedizin, und nur diese sollte bei besagten Gruppen Anwendung finden. Kinder und Behinderte wären für Suizidhilfe im juristischen Sinne weder urteilsfähig noch handlungsfähig. Die Richtlinien werden durch Raimund Klesse völlig verzerrt wiedergegeben. Ebenso vermischt er eine akute suizidale Notlage mit unheilbaren chronischen Krankheiten. Bei ersterer herrscht breiter Konsens, dass hier Suizidhilfe nichts zu suchen hat. Die Richtlinien betreffen nicht die akute suizidale Krise, sondern die unheilbare, chronische Krankheit mit Sterbewunsch.

Raimund Klesses Haltung ist fundamentalistisch und undemokratisch. Er verneint jegliche Legitimation von Suizidhilfe, und das steht in klarem Widerspruch zum Willen von Bevölkerung, Ethik-Organisationen, Bundesgericht und einer Mehrheit (75 Prozent) der Ärzteschaft. Durch seine psychotherapeutischen Allmachtsfantasien nimmt er viele schwer leidende, unheilbare Kranke nicht ernst.

Die Richtlinien zum Lebensende wurden durch eine hochkarätige Kommission aus Palliativmedizin, Ethik, Theologie und Justiz erarbeitet und auf ausgewogene Art den gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst. Diesem Gremium vorzuwerfen, es wolle den Weg zu den «Patiententötungen» vorbereiten, ist völlig deplatziert. Hoffen wir, dass sich die besonnenen und differenzierten Kreise in der Ärzteschaft durchsetzen.

Michael Hitzler, Baar, Kinderarzt FMH, Vorstand Kinderspitex, Zentralschweiz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.