Leserbrief
Neues Theater: Es wird eng am linken Reussufer – und: Sind die Jungen beim Entscheid einbezogen?

Zu den Diskussionen über das neue Luzerner Theater

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Von den insgesamt 128 Wettbewerbsprojekten sahen 118 (!) einen Neubau mit Abbruch des bestehenden Theaters vor. Nur die restlichen zehn fügten den Neubau an das bestehende Theater an. Das geforderte Raumprogramm lässt jedoch keinen Theaterplatz mehr zu und führt zu äusserst beengenden Verhältnissen.

Denn über 40000 Passanten täglich nutzen in der Hochsaison den linken Uferbereich der Reuss über drei Brücken, sechs Strassenzüge und eine Pas­sage! Dazu kommen eine Nutzung der Bahnhofstrasse als lokale und nationale Veloroute sowie der Marktbetrieb, Zufahrten und diverse Anlässe. Deshalb und aufgrund des überraschenden Entscheides der Jury für die Beibehaltung des bestehenden Theaters ergeben sich herausfordernde Bedingungen – hinsichtlich Funktion, Erschliessung, Einfügung eines Neubaues und des kostspieligen Umbaus des bestehenden Theaters.

Für die beabsichtigte Variabilität im Innern und die geplante Offenheit nach aussen sowie für die Ankoppelung eines Neubaues wurden zwar teils innovative Lösungen gefunden. Das geforderte Raumprogramm führt jedoch zu einem Volumen, dessen Grösse die Entwicklung dieses historischen Ortes noch unkenntlicher macht. «Wir brauchen keinen Pausenplatz an der Bahnhofstrasse», lautete die Losung für mehr Bauvolumen.

Daher könnte eine Reduktion des Raumprogrammes und/oder die Prüfung eines neuen Standortes weiterführend sein: Die als wichtig erachtete Beibehaltung des 1839 erstellten Theaterbaus mit neuer Nutzung (etwa als Gerichtsgebäude) nimmt Rücksicht auf die Stadtgeschichte. Es beinhaltet zudem die Option für einen besseren Standort des Theaters. Ein einladender, baumbestandener Platz neben der Jesuiten­kirche, die Allee an der Reuss mit einer unter Terrain liegenden Velostation und der Option einer unterirdischen Verbindung bei häufigen Anlässen könnte die Chance für einen Konsens sein.

Frieder Hiss, Luzern, Initiant «stadtamwasser»


Es war ein historischer Entscheid, der vergangenen November gefällt wurde. Nun herrscht Klarheit über die Zukunft des Luzerner Theaters. Jahrelange Arbeit geht diesem Beschluss voraus. Die breit zusammengesetzte Jury, bestehend aus internationalen Architektinnen und Architekten, Denkmalpflege, Quartiervereinen, Politik, Theater und freie Szene, ermöglicht dem Projekt «überall» den Weg zur Verwirklichung.

Der Entscheid schlägt hohe Wellen, das ist gut so. Nicht weil plötzlich viele meinen, das beste Projekt zu kennen. Sondern weil so über die Luzerner Kulturlandschaft tagtäglich berichtet und diskutiert wird. Auch das Theater trägt mit Ausstellungen und Diskussionsrunden entscheidend dazu bei, die Nähe zur Bevölkerung durch Transparenz aufrechtzuerhalten.

Möge dies in Zukunft so bleiben. Denn auch kommende Generationen sollen das neue Theater begeistert besuchen. Entscheidend ist hierbei, ob diese Sensibilisierung – insbesondere unter uns Jungen – erfolgreich geschieht.

Denn Kultur ist identitätsstiftend und bietet unserer Gesellschaft Raum, sich zu entfalten.

Benedikt Aregger, Luzern, Vorstandsmitglied die Junge Mitte