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Nostalgie in Ehren, aber …

«Noch hat die Mehrheit das Sagen», Ausgabe vom 2. Mai
Felix Zulauf, Zug

Leider ist die Steuerdebatte mit Markus Iten-Iten bei ihm nicht auf fruchtbaren Boden gefallen – schade! Er zitiert Stephen Hawkins, dass die Gier schlussendlich die Menschheit zerstören wird. Das mag durchaus sein.

Nur müssen wir uns in unserer Steuerdebatte fragen, wer denn die Gierigen sind. Sind es jene, die anderen nicht immer mehr Leistungen finanzieren wollen, weil sie bereits eine weit überproportionale finanzielle Last tragen, oder sind es jene, die von anderen immer mehr fordern? Ist Herr Iten mit seinen Aussagen nicht auf den Spuren der Berner, Walliser usw., die den Kanton Zug in wenigen Jahren zu immer höheren NFA-Zahlungen von ursprünglich 80 auf über 300 Millionen Franken gezwungen haben? Alles demokratisch natürlich – die Mehrheit diktiert! Steht er dort auf der Seite Zugs oder auf jener der Berner?

Das Prinzip in unserer Steuerdebatte im Kanton Zug ist das gleiche. Vielleicht muss er sich nach einigem Nachdenken selbst an der Nase nehmen. Genauso wie im Falle des NFA besteht auch bei der Steuerprogression, insbesondere bei der Vermögenssteuer, eine Unverhältnismässigkeit, welche die FDP korrigieren will, um damit grosses Steuersubstrat im Kanton zu halten. Im Gegensatz zum Beispiel NFA können nämlich wohlhabende Privatpersonen problemlos in attraktivere Steuerdomizile umziehen, was dem Kanton Zug nicht möglich ist. Das ist der grosse Unterschied.

Bezüglich Nostalgie teile ich seine Ansicht, dass frühere Generationen sehr arbeitsam waren, und ich halte unsere Vorgängergenerationen absolut in Ehren. Aber war denn früher alles wirklich besser? Mein Vater (Aktivdienst-Generation) ist beispielsweise 1971 mit 51 Jahren am zweiten Herzinfarkt gestorben, den man heute mit Stents verhindern kann, und meine Mutter wurde dadurch schon mit 48 Jahren Witwe. Sie hat ihr ganzes Leben bis zur Pensionierung gearbeitet, und mein Vater hat unzählige nicht honorierte Überstunden im Kleinbetrieb geleistet und sich ebenso viele Stunden ehrenhalber für die Gemeinde eingesetzt. Er hat freiwillig und in Verantwortung für seine Familie in die Pensionskasse seines Berufsverbandes einbezahlt (Obligatorium kam erst 1985), welche kurz nach seinem Tod pleiteging, und meine Mutter hat danach keinen Cent mehr gesehen. Nach dem Krieg war einmal die Woche Baden in der Wanne angesagt, denn Duschen gab es für die überwiegende Mehrheit der Schweizer und Schweizerinnen noch nicht. Und die durchschnittliche Lebenserwartung für Schweizer Männer war 1948 bei Einführung der AHV lediglich 66,4 Jahre im Vergleich zu 82 Jahren heute.

Ich habe nichts gegen Nostalgie – im Gegenteil –, aber man sollte in ernsthaften Diskussionen (Steuern sind ernsthaft) doch etwas realitätsnaher bleiben und die Vorteile des Fortschritts anerkennen, wenn man seine Glaubwürdigkeit nicht riskieren will.

Felix Zulauf, Zug

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