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Leserbrief

Nur der/die Betroffene kann sein Geschlecht definieren

«SVP-Vorstoss gegen Transmenschen», Ausgabe vom 2. Juli

Die SVP setzt sich seit je her für die Selbstbestimmung der Schweizer Nation ein. Keine fremden Richter sollen über das Schweizer Volk urteilen. Aber im selben Zug sollen weiterhin Richter über die Geschlechtszugehörigkeit Schweizer Transmenschen bestimmen. Besteht hier im Kontext der Ethik nicht ein Widerspruch?

In der Motion der SVP-Nationalrätin Verena Herzog (TG) wird die differenzierte Behandlung von intersexuellen beziehungsweise transsexuellen Menschen gefordert. Diese Vorgehensweise ist aus medizinischer, und ethischer Sichtweise nicht haltbar:

Ganz einfach erklärt muss die Phänomenologie von Trans so verstanden werden: Meine Gehirnstrukturen (Mann-zur-Frau transsexuell, MzF), die meine Geschlechtlichkeit definieren, stimmen mit denen einer biologischen Frau überein, und unterscheiden sich wesentlich, in etwa 400 Punkten, von jenen eines Mannes ohne Transhintergrund. Weil dieses geschlechtbestimmende Gehirnareal in einer Diskrepanz zum Restgeschlechtskörper steht, kann ich mich nicht mit meinem männlichen Körper identifizieren.

Egal, ob nun intersexuell, oder transsexuell, nur der/die Betroffene kann sein Geschlecht definieren. Deshalb sind bei beiden Variationen die gleichen selbstbestimmenden medizinischen, so wie juristischen Rahmenbedingungen als dringend notwendig gegeben. Das Verhindern oder Erschweren von medizinischen und juristischen Massnahmen im Angleichungsprozess (Transition) ist für die Betroffenen ähnlich gravierend, wie die willkürlich durchgeführten operativen Eingriffe bei Intersexuellen. Nur wir Betroffenen können wissen, was für uns angezeigt ist.

Ich als Betroffene weiss zu gut, was ein amtlicher Geschlechterwechsel, mit dem daraus resultierenden Coming-out für einen fundamentalen Schritt im Leben darstellt. Es ist ein Schnitt durch das bisherige Leben, mit vielen sozialen wie auch ökonomischen Verlusten. Ich habe viele Freunde und Kollegen verloren, meine angestammte Familie hat den Kontakt zu mir zum grossen Teil abgebrochen. Andere Betroffene verlieren Job oder Lebenspartner. Wir erleben zum Teil Diskriminierung und Gewalt.

Der Entschluss zur Transition folgt auf einen oft Jahrzehnte dauernden Leidensweg und ist für manche die einzige Alternative zum Suizid. Missbräuchlicher, nicht reflektierter Geschlechterwechsel käme einer sozialen Selbstvernichtung gleich.

Stefanie Stalder, Grosswangen, MzF Transsexuelle

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