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Oft wird kritisiert, ohne den historischen Hintergrund zu kennen

Zu den Themen Wagner, Antisemitismus und Rassismus

Liebe keulenschwingende sogenannte politisch Korrekte: Es ist nicht so einfach, wie ihr denkt. Der Komponist Richard Wagner wurde von den Nationalsozialisten glorifiziert und fast vergöttert. Das macht ihn noch nicht zum Antisemiten. Es ist nicht seine Schuld, wenn er von Fanatikern missbraucht wurde. Wagner umgab sich mit vielen Juden, förderte sie sogar. Er beschäftigte sie, indirekt beschützte er sie sogar vor dem gesellschaftlichen Antisemitismus seiner Zeit (zum Beispiel Hermann Levi). Dies macht ihn jedoch nicht zum Freund der Juden, denn faktisch umgab er sich aus rein egoistischen Gründen mit ihnen, nützte ihre finanziellen Verbindungen aus. Ihn interessierte einzig sein eigenes Vorwärtskommen. Das übersehen die politisch Korrekten mit ihrer einfachen Denkweise zu oft, nur mit der Anti­semitismus-Keule zu schwingen, ist halt einfach. Was will ich damit sagen? Wenn wir über Korrektheit urteilen, müssen wir den gesamten Kontext sehen. Dazu gehört seine wirkliche Einstellung und aus seinen Schriften, «Das Judentum in der Musik» (1850), und viele Passagen aus den Tage­büchern seiner Ehefrau Cosima beweisen, dass er die Juden verachtete und in diesem Sinne Antisemit war. Aber aus einzelnen Aspekten ein Gesamturteil zu fällen, geht nicht an.

In diesem Sinne machen es sich die politisch Korrekten viel zu einfach, wie meistens, wenn sie kritisieren, ohne den historischen Hintergrund mit einzubeziehen. Man könnte nun auch sagen: Wer heute noch Wagner hört, der ist ein Antisemit. Doch auch das greift zu kurz. Unabhängig von seiner Einstellung war er ein Meilenstein in der Musikgeschichte, und das alleine hat zu zählen, denn wer andere Massstäbe anlegt, dürfte sich auch nicht mehr mit Aristoteles oder Kant beschäftigen, denn aus heutiger Sicht waren sie Rassisten.

Statt mit Keulen zu schwingen, sollten wir uns mit den Fakten beschäftigen, und da gäbe es genügend Angriffsfläche, denn die Art und Weise, wie wir unter dem Stichwort Freihandel den Rest der Welt ausbeuten und die Rechte von Millionen für unsere Konsumgelüste mit Füssen treten, ist echter aktueller Rassismus und einer, den die politisch korrekten Sittenwächter genauso betreiben wie wir alle.

Michel Ebinger, Rotkreuz

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