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Leserbrief

Papst Franziskus, der Überschätzte

Was er nicht hat, das seine Vorgänger hatten...
Michel Ebinger, Rotkreuz

Immer wieder lese ich in den Medien, wie bescheiden der heutige Papst ist. Bin damit völlig einverstanden, aber unter anderen Vorzeichen. Für mich ist sein Leistungsausweis mehr als bescheiden. Um das zu begründen, gehe ich auf die letzten Päpste ein und beginne mit dem 1978 verstorbenen Paul VI. Dieser linksliberale Papst aus reichem Haus führte das Papsttum in die Moderne und reinigte es vom Pomp des Ancien Régime. Etwas, was seinen Nachfolgern zu Unrecht zugeschrieben wird! Er führte das Konzil zu Ende und rettete es, denn ohne seine Diplomatie wäre es gescheitert. Leider wird dies alles inkl. seiner Kapitalismus-Kritik wegen der unsäglichen Humanae vitae vergessen, obwohl fast niemand wirklich weiss, dass es bei der Humanae vitae nur bedingt um die Pille ging. Er stellte zudem die Gewissensfreiheit über alles, und das ist sein grösstes theologisches Verdienst. Seinen Nachfolger Johannes Paul I. überspringe ich, weil er zu kurz Papst war, um etwas zu bewirken. Karol Józef Wojtyła öffnete den Vatikan für die Welt und begann mit einem regen Kontakt mit den Medien und war aktiv beteiligt, dem Sozialismus den Todesstoss zu setzen. Er war es auch, der theologisch das umsetzte, was man fälschlicherweise mit Paul VI. verbindet, eine sehr rigide Sexualmoral. Er war ja auch massgeblich an der Ausarbeitung der Humanae vitae beteiligt. Er förderte den Marienkult, aber auch den interreligiösen Dialog. Er hatte theologisch was zu sagen und prägte die Kirche. Besonders seine Kritik an den Neoliberalismus darf nicht vergessen werden, aber anders als bei Franziskus war sie nicht blosse Anbiederung an den Zeitgeist, sondern theologisch fundiert. Er war nicht nur Papst, sondern ein grosser Theologe. Mit der Befreiungstheologie konnte er jedoch nichts anfangen. Sehr Ähnliches kann über Papst Benedikt gesagt werden, ein grosser Theologe, der die Kirche seit den 1960er-Jahren massiv prägt. Intellektuell muss er als herausragend bezeichnet werden. Ich fasse mich kurz und stelle mich zum Schluss die Frage, was Franziskus bis heute geleistet hat, und muss feststellen, dass ich nichts Nennenswertes finde. Er vermag seinen Vorgängern das Wasser nicht zu reichen und wird die Kirche nicht aus der Krise führen können. Dazu fehlt ihm das Format seiner Vorgänger.

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