Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Leserdebatte

Pflege im Heim: Eine gute Fehlerkultur und der richtige Umgang damit

«Falschem Mann Insulin gespritzt», «Zentralschweiz am Sonntag» vom 12. August

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Der Vorfall mit dem Insulin am falschen Patienten gehört wahrscheinlich zur sichtbaren Spitze eines Eisbergs von Fehlern in der gesamten Gesundheits- und Krankheitslandschaft. Die Fehlerkultur beim Unternehmen Viva Luzern AG ist das eine, der Umgang damit aber ist etwas anderes. In dieser Situation erscheint mir das Vorgehen fragwürdig unter dem Gesichtspunkt, dass die betroffene Pflegefachfrau die sofortige Kündigung eingereicht hat beziehungsweise vielleicht sogar einreichen musste, wer weiss denn das so genau?

Die falsche Gabe eines Langzeit-Insulins hat sicher Auswirkungen, aber so etwas kann eine kompetente Pflege mit genügend Kapazitäten selber ausbügeln. Engmaschige Blutzuckerkontrolle sowie die wiederholte Gabe von zuckerhaltigen Getränken genügen in der Regel, bis der Spuk vorbei ist. Etwas anderes hat das Spitalpersonal wahrscheinlich auch nicht unternommen.

Hätte die ärztlich Verordnung eines unberechtigten Antibiotikums auch ein solches Szenario mit Schlagzeilen ergeben? Wo wäre in diesem Fall die Fehlerkultur zu finden?

Typischerweise müssen im Gesundheitswesen öfter die Schwächeren über die Klingen springen. Es kann dringend vermutet werden, dass der Personalmangel und die steigenden Anforderungen ihren Tribut fordern. Die Beantwortung der Frage über die Gründe der spürbaren Unzufriedenheit des Personals liegt bei den Unternehmens-Verantwortlichen. Beschönigende Aussagen machen die Probleme nur schlimmer. In der Reflexion über den Umgang mit Kritik sind im vorliegenden Fall, aber auch anderswo, sind die Kaderleute gefordert. Ist es nicht so, dass die so oft genannte Verantwortung speziell dann zum Tragen kommen muss, wenn etwas schiefgelaufen ist?

Herbert Nell, Experte Intensivpflege NDS HF, Adligenswil


Damit dieselben Fehler nicht immer wieder begangen werden, muss man in einem Betrieb eine Fehlerkultur aufbauen. Eine, die die Mitarbeitenden dazu bringt, Fehler selber zu melden und mitzuhelfen, die Abläufe so zu gestalten, dass diese Fehler in Zukunft vermieden werden. Wenn Mitarbeitende Strafen befürchten müssen, werden sie Fehler vertuschen oder andere Mitarbeitende beschuldigen, das Klima wird vergiftet und es ist niemanden geholfen. Indem die Medien Fehler – die übrigens jeden Tag und überall geschehen – genüsslich als Skandale und Missstände hochspielen, gefährden sie die Bemühungen der Betriebe, eine konstruktive Fehlerkultur zu etablieren. Wenn sich eine Institution nicht mehr getraut, über Fehler zu sprechen, bedeutet das nicht, dass dort keine Fehler mehr vorkommen – sondern dass sowohl das Personal wie die Geschäftsleitung aus Angst vor negativer Berichterstattung alles unter den Tisch kehren. Haben wir damit etwas gewonnen?

Beate Waidelich, Pflegefachfrau, Rain

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.