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Regionales Kulturgut wird vernichtet

«Gesundheit und Bildung müssen bluten», Ausgabe vom 29. Juni
Jürg Röthlisberger, Cham

Nähern wir uns in der Zentralschweiz bald dem Kulturverständnis radikaler Islamisten? Ob unersetzbare Kulturgüter aus religiöser Verblendung oder aus geiziger Knausrigkeit vernichtet werden, macht für mich keinen so grossen Unterschied.

1834/35 wurde ein grösserer Teil der heute weltberühmten Luzerner Kapellbrücke ab­gerissen und unwiederbringlich zerstört. Sind wir unseren Vor­fahren noch dankbar dafür, dass damit Platz geschaffen wurde für zusätzliche Hotelkästen am Schweizerhofquai? Dass sich durch die Einsparung der Unterhaltsarbeiten wohl auch eine Steuererhöhung vermeiden liess? Fast 200 Jahre später – man beachte den Fortschritt – droht die Schliessung des Natur­-Museums und des Histo­rischen Museums.

Auch dies führt zur unwiderruflichen Vernichtung von Kul­turgut. Beide Museen erhielten den Grossteil ihrer Schätze ge­schenkt oder zu nach heutigem Geldwert symbolischen Preisen. Die dahinterstehenden Sammler und Erblasser wollten aber durch ihre Grosszügigkeit die vorher privaten Kostbar­keiten der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Wenn nun die öffentliche Hand dieser Auflage nicht mehr nachkommt, dann kann sie die betreffenden Fundstücke nicht einfach nachträglich enteignen. Man wäre vielmehr verpflichtet, das erworbene Gut einem öffentlich bleibenden Museum zu verschenken oder alles den ursprünglichen Eigentümern zurückzugeben.

2013 wurde die organisato­rische Umstrukturierung mit einem gemeinsamen Direktor für die beiden vorher unabhängigen Museen befohlen. Was ich schon damals befürchtete, ist leider eingetroffen: Offensichtlich wird laufend für ohnehin veraltende Strukturreformen so lange Geld zum Fenster hinausgeworfen, bis der Schnauf aus­geht.

Was wir heute und auch in Zukunft wollen: einen Ort der Begegnung für Kinder und Erwachsene bis zu Leuten im AHV-Alter, wo sie die natürliche Vielfalt und die Entwicklung der Vergangenheit in unserem Le­bensraum miterleben können, und gleichzeitig eine Kontaktstelle für die regionale Forschung von meist gratis arbeitenden Freiwilligen. Beides braucht keine endlose Strukturdiskussion, sondern nur etwas guten Willen seitens der öffentlichen Hand.

Jürg Röthlisberger, Cham

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