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So werden die Kantone zur Lachnummer

«Kantone fordern Garantie», Ausgabe vom 13. Dezember

Nun ist es also festgeschrieben: Die Zentralschweizer Kantone fordern vom Bund allen Ernstes sowohl den Luzerner Durchgangsbahnhof mit Kosten von mehr als 3 Milliarden Franken als auch den Zimmerberg-Basistunnel (ZBT II) mit Kosten von 2,1 Milliarden Franken. Dies, obwohl es für den Durchgangsbahnhof keine glaubwürdige Begründung gibt und beim Zimmerbergtunnel neben dem nicht finanzierbaren, 11 km langen Basistunnel eine wirtschaftlich günstigere und verkehrlich begründbare Alternative besteht: Ausbau der Einspurstrecke Horgen-Oberdorf–Sihlbrugg–Litti auf durchgehende Doppelspur, d. h. ein neuer, gestreckter, 2 Kilometer langer, doppelspuriger Zimmerberg-Scheiteltunnel und ein zweiter, 3 Kilometer langer einspuriger Albistunnel. Totale Kosten: etwa 350 bis 500 Millionen Franken. Zur Entlastung des Bahnhofs Thalwil kann gleichzeitig – oder in einer zweiten Etappe – die sog. Südumfahrung, d. h. die Fortsetzung des bestehenden Paralleltunnels Zürich HB–Thalwil, in die Seelinie bei Oberrieden erstellt werden, um grössere Hausabbrüche im Nordkopf des Bahnhofs Thalwil vermeiden zu können.

Garantierte Rückzahlung einer allfälligen Vorfinanzierung? Der Bund sieht einen allfälligen Bau des Durchgangsbahnhofs erst ab 2035, d. h. erst in 18 Jahren, vor – wenn überhaupt. Das entspricht etwa 3 bis 4 Politiker-Generationen! Und jetzt fordern die Zentralschweizer Kantonsregierungen, der Bund solle hier und heute garantieren, dass er ab 2035 eine allfällige Vorfinanzierung zurückzahle. Wer soll denn auf solche grossen Zeiträume Versprechen abgeben? Kein Mensch weiss doch, wie die Finanzlage und wie die generelle politische Landschaft in 18 Jahren aussehen wird. Solche Forderungen sind mehr als unrealistisch, ja geradezu lächerlich.

Der ÖV ist nicht das eigentliche Thema, sondern nur «Wer hat Recht». Die Zentralschweizer Kantone fordern seit Jahrzehnten unrealistische Bahnprojekte wie den Luzerner Durchgangsbahnhof und den Zimmerberg-Basistunnel. Beim ZBT II glauben sie nun, am Ziel zu sein. Ob das aufgeht, steht noch nicht fest. Die anderen Regionen haben ebenso grosse Ausbauwünsche, die besser begründet sind als das Luxusprojekt Zimmerberg-Basistunnel. Es könnte ja sein, dass andere Kantonsregierungen Zweifel an der Begründung des 2,1 Milliarden teuren ZBT II anmerken, wenn sie sehen, dass damit ihre Projekte ins Hintertreffen geraten. Die Dramatik an den neuen, alten, ebenso sturen wie unerbittlichen Forderungen der Zentralschweizer Kantone ist, dass damit die offensichtlichsten Engpässe nie beseitigt werden können. So sträubt sich die Luzerner Regierung seit Jahrzehnten erfolgreich gegen die Schliessung der Einspurlücke am Rotsee und gegen eine zweite, doppelspurige Bahnhofzufahrt. Das Resultat ist, dass die wünschbaren Viertelstunden-IC Zürich–Luzern nicht zum Bahnhof Luzern fahren können, sondern dass in Ebikon End­station ist! Das wissen die ­Regierungen, kommunizieren das aber nie.

Daran sieht man, dass es diesen Politikern eigentlich nicht um die Lösung der ÖV-Probleme geht, sondern nur darum, das Gesicht wahren zu können.

Paul Stopper, Dipl. Bauing. ETH/Verkehrsplaner, Uster

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