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Solche Wunden können nicht nur finanziell entschädigt werden

«Aufruf und Entschuldigung zugleich», Ausgabe vom 20. Dezember

Im obgenannten Artikel wurde darüber berichtet, dass im laufenden Jahr im Kanton Zug 39 Anfragen im Staatsarchiv zur Bearbeitung eingegangen sind. Als Vergleich dazu: Im Kanton Zürich sind bislang von rund 800 erwarteten Gesuchen um eine Wiedergutmachungszahlung zu Gunsten von Opfern aus fürsorgerischen Zwangsmassnahmen erst deren 150 eingegangen. Als eine mögliche Erklärung für diese geringe Anzahl Gesuche wurde vermutet, dass es im Kanton Zürich allenfalls weniger Opfer als angenommen geben könnte, weil die Einweisungspraxis in den verschiedenen Kantonen unterschiedlich gewesen sei. Gerne würde ich hierzu ein paar Gedanken loswerden: Ich bin überzeugt davon, dass die Annahme von rund 800 möglichen Gesuchen im Kanton Zürich durchaus der Realität entspricht oder diese gar noch unterschreitet. Wie viele Gesuche im Kanton Zug zu erwarten sein könnten, kann ich nicht beurteilen. Entscheidend für mich ist, dass ich glaube, dass viele Opfer damaliger fürsorgerischer Willkür heute nicht wollen, dass die tiefen Wunden, die durch die Zwangsmassnahmen entstanden sind, durch ein Gesuch um Wiedergutmachung wieder aufgerissen werden. Nicht alles im Leben kann durch finanzielle Mittel wiedergutgemacht werden. Für all diejenigen, die heute mit einer finanziellen Entschädigung wieder etwas von ihrem Glauben an Gesetz und Ordnung zurückerhalten, finde ich ein Gesuch um Wiedergutmachung richtig und wichtig. Es gibt aber auch Opfer, denen mit Geld nicht geholfen wäre – und deren Glaube an Recht und Gerechtigkeit nicht mit finanziellen Mitteln wiederhergestellt werden kann. Diese Opfer werden auf das Einreichen eines Gesuches verzichten und ihre Erfahrungen, Enttäuschungen und die Trauer um ihre gestohlene Kindheit mit ins Grab nehmen. Was allen bleibt, ist die Hoffnung, dass die Kesb heute aus den traurigen Schicksalen gelernt hat und solche Ungerechtigkeiten, solches Leid heute nicht mehr vorkommen kann. Wenn nun aber viele Opfer der Behörden auf eine weitere Konfrontation mit einer Behörde verzichten und somit weniger Gesuche eingehen als bisher vermutet, so ist dies nicht mit einer geringeren Anzahl von Opfern zu erklären, sondern vielleicht mit der Tatsache, dass vielen Opfern der Glaube an Behörden an und für sich abhandengekommen ist. Sie verzichten lieber, als auf eine Entschädigung für all jene Taten dankbar sein zu müssen, die nicht zu entschädigen sind.

Ich fände es schön, wenn man nach Abschluss der Frist zur Einreichung der Gesuche und der Bezahlung aller Entschädigungen den Rest des Geldes, das für dieses traurige Kapitel unseres Rechtssystems bereitgestellt wurde, sinnvoll einsetzen würde. So könnte zum Beispiel der Rest des «Verdingkinder-Topfes» im Namen aller anonymen Verdingkinder, die auf eine Gesuchseinreichung verzichtet haben, der Schweizerischen Berghilfe gespendet werden. So würde das Geld, das die Behörden zur Wiedergutmachung ihrer damaligen Fehler bereitgestellt haben, denjenigen zugutekommen, die heute im Hier und Jetzt bedürftig sind. Was damals geschehen ist, kann nicht mehr wiedergutgemacht werden – aber heute können wir helfen. Damals haben die meisten weggeschaut und geschwiegen – schauen wir heute hin und helfen dort, wo Hilfe heute dringend gebraucht wird. Das wäre doch auch eine Art Wiedergutmachung – oder?

Andrea Joho, Steinhausen

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