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Sprachensalat, Wissensdurst und die Bedürfnisse der Touristen

Zur Abstimmung über die Fremdsprachen-Initiative am 24. September im Kanton Luzern
Otto Portmann, Sekundarlehrer, Ettiswil

Es werden von den Gegnern der Initiative Behauptungen aufgestellt, die sich nicht mit den Erfahrungen an der Unterrichtsbasis decken. Es ist zum Beispiel unredlich, von einer 80-prozentigen Zufriedenheit unter der Lehrerschaft zu reden, wenn sich von diesen zufriedenen Lehrpersonen kaum jemand öffentlich äussert, um die Initiative zu kippen. Und man kommt zu einer verzerrten Wahrnehmung der Situation, wenn man in Gegnerkreisen immer wieder von motivierten Primarschülern redet und dabei die Erfahrungen an der Oberstufe – offenbar absichtlich – ausblendet.

Gewarnt wird zudem dauernd vor der drohenden Insel­lösung im Kanton Luzern. Ist man sich bewusst, dass genau dieses rein politische Argument ähnlich lautende Initiativen in andern Kantonen zu Fall gebracht hat, entgegen einleuchtenden Argumenten der Befürworter? Wir wären schon längst keine Insel mehr, wenn die Abstimmungen in den entsprechenden Kantonen gleichzeitig stattgefunden hätten.

Und noch dies: In unserer Gesellschaft finden nicht alle Jugendlichen Fremdsprachen einfach nur cool. Diese dürften wohl unter Chancengleichheit nicht den Zwang zum Fremdsprachen-Lernen verstehen, sondern Förderung in Bereichen, in denen sie stark sind.

Otto Portmann, Sekundarlehrer, Ettiswil

Im Tibet, lese ich, lernen in einer Blindenschule die jungen Schülerinnen und Schüler schon Tibetisch, Russisch und Englisch – und dies sogar in der Braille-Schrift. Sie freuen sich, sich dieses Wissen anzueignen, um später im Leben gut weiter zu kommen. Und wir? Wie steht es mit unserem Wissensdurst?

Maria L. Burri, Malters

Luzern ist anerkanntermassen eine sehr beliebte Touristendestination. Zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer finden in der Tourismusbranche eine Anstellung. Wer nach Luzern kommt, um hier seinen Urlaub zu verbringen, erwartet aber zu Recht nicht nur eine schöne Landschaft, sondern auch Mitarbeitende in den Betrieben der Tourismusbranche, die sich mit ihnen unterhalten können. Dazu sind Fremdsprachenkenntnisse eine grundlegende Voraussetzung. Die Abschaffung einer Fremdsprache auf der Primarstufe würde da ein sehr fragwürdiges Zeichen setzen. Das können und wollen wir uns nicht leisten. Ich empfehle Ihnen daher, die Initiative für eine Fremdsprache auf der Primarstufe abzulehnen.

Patric Graber, Präsident Luzern Hotels, Luzern

Ein verdienter CVP-Mann hat gesagt: «Wie kann man aus dem jetzigen Fremdsprachen-Schlamassel kommen, ohne dass jemand zugeben muss, einen Fehler begangen zu haben?» Antwort: Ja stimmen. Der Systemwechsel bringt keinen Verlust, weder im Englisch noch im Französisch. Die Lernziele werden erfolgreicher erreicht. Deutsch und die mathematisch-technischen Fächer werden gestärkt. Es gibt die Mehrkosten nicht mehr, welche jetzt mit zusätzlichem Unterricht für die Dispensierten und mit kostspieligen Nachbesserungen verursacht werden.

Ob Englisch oder Französisch auf die Oberstufe verschoben wird, spielt keine Rolle. Warum nicht Englisch lassen, wie es ist? Die Lernziele ohne Abbau in Mathematik werden auf der Oberstufe erreicht werden.

Der Kantonsrat mit Referendumsmöglichkeit und nicht der Regierungsrat wird festlegen, welche Fremdsprache es auf der Primar sein soll.

Xaver Vogel, Seklehrer, Leiter Abstimmungskampagne «Nur eine Fremdsprache auf der Primarschule», Menzberg

Die Initiative für eine Fremdsprache in der Primarschule verlangt, dass der Unterricht in der zweiten Fremdsprache auf die Sekundarschule verlegt wird. Was hat das für Folgen für die Lehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule Luzern (PH)? Da viele Studierende der PH nicht aus unserem Kanton stammen, könnte es sich die PH nicht leisten, ihr Angebot im Sprachbereich zu reduzieren. Aber auch unseren eigenen Studenten müsste man raten, weiterhin die Befähigung für den Unterricht von zwei Fremdsprachen an der PH zu erwerben. Andernfalls wäre ihr Diplom in den anderen Kantonen nur bedingt ausreichend, und sie hätten geringere Anstellungschancen. Für die Pädagogische Hochschule Luzern – und damit indirekt für den nicht eben auf finanziellen Rosen gebetteten Kanton Luzern – ergäbe sich also bei einer Annahme der Initiative eine Verkomplizierung des Systems mit der entsprechenden Kostenfolge.

Michèle Graber, Kantonsrätin GLP, Udligenswil

Heute ist das ein fertiger Sprachensalat. Bildungsdirektor Wyss redet von neun Millionen Franken Kosten, wenn man das System ändern und eine Fremdsprache auf die Oberstufe verschieben würde. Ich sehe es ganz anders. Tausende und Abertausende könnten von einer Fremdsprache nur auf der Oberstufe profitieren. Weniger wäre manchmal mehr.

Alfred Krummenacher sen., Rothenburg

Für die Entwicklung der Kinder ist es sehr wichtig, dass auch die körperlichen Fähigkeiten Platz bekommen und weiterentwickelt werden können. Sie sollen mit dem Kopf und den Händen denken können. Die persönliche Reife spielt für das Sprachempfinden und -erlernen eine massgebliche Rolle. Nur weil zweisprachig aufwachsende Kinder oft zwei Sprachen gleichzeitig lernen können, heisst das noch lange nicht, dass man mit etwas Fremdsprachenunterricht in die gleiche Richtung gehen kann. Die Zweisprachigkeit wird massgeblich vom gleichbleibenden Umfeld beeinflusst und nicht von Lektionen. Deshalb stimme ich Ja für eine Fremdsprache auf der Primarschule.

Rosy Schmid, Kantonsrätin FDP, Hildisrieden

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