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Leserdebatte

Steigen mit dem neuen Gesetz die Mieten oder sinken sie gar?

Zur Abstimmung über ein neues Energiegesetz im Kanton Luzern am 10. Juni

Ich bin Mitbesitzer einer Liegenschaft aus dem Jahre 1956 mit sechs Wohnungen, die laufend sanft renoviert werden. Zurzeit mache ich mir Gedanken, was passiert, wenn das neue Energiegesetz angenommen wird.

Die sechs Jahre alte Ölheizung müsste nach 15 Jahren zwingend ersetzt werden. Der Ölverbrauch der letzten elf Jahre pro Wohnung beträgt pro Jahr 1160 Liter oder 980 Franken, inklusive Warmwasser.

Jedes neue, zwangsverordnete Heizsystem würde nicht nur zu enormen Investitionskosten führen, sondern ebenfalls die preiswerten Wohnungsmieten massiv erhöhen. Wir haben Beispiele genug, wo bestehender, günstiger Wohnraum abgerissen und durch Luxuswohnungen ersetzt wird, da eine Sanierung schlicht zu teuer ist. Ich bin für sinnvolle und verhältnismässige Sanierungen, damit die Mieten möglichst im bezahlbaren Rahmen bleiben. Darum Nein zu einem Gesetz, das Bevormundung, Zwang und Mehrauflagen vor die Eigenverantwortung der Wohnungsvermieter stellt.

Josef Krummenacher, Redwell Infrarotheizungen, Malters


Die Argumente der SVP gegen das neue Energiegesetz sind schwach, denn: Fällt tatsächlich ein Heizungsersatz an, sieht das Mietrecht entweder keine oder bloss geringe Mietzinserhöhungen vor. Unlautere Erhöhungsversuche gibt es leider immer wieder, sie werden in aller Regel aber zu Gunsten der Mieterschaft entschieden. Den Wärmeträger (Öl, Gas, Strom, Holz) hingegen bezahlt die Mieterschaft zu 100 Prozent über die Nebenkosten, und diese nehmen derzeit mit den kontinuierlich steigenden Preisen bei Öl, Gas zu, wovon noch immer weit über die Hälfte der kantonalen Wohngebäude betroffen sind (55,8 Prozent). Diese Abhängigkeit von Öl und Gas wird dank dem kantonalen Energiegesetz reduziert. Deswegen: Ja.

Cyrill Studer Korevaar, Mieterinnen- und Mieterverband Luzern, Luzern


Unbestritten ist es, dass wir vom April bis September mehr Strom produzieren, als wir brauchen. Das heisst also, dass wir in dieser Zeitperiode Strom verpuffen und in der Zeit vom Oktober bis März zu wenig produzieren können, weil uns in dieser Zeit die Sonne fehlt. Nun möchte das neue kantonale Energiegesetz, dass jeder Bauherr und Hausbesitzer zusätzlich Strom produzieren muss. Und wann tut er das am einfachsten? Genau dann, wenn wir eh schon zu viel von dieser «goldenen Antriebsenergie» produzieren. Das ist, wie wenn Ihr Kühlschrank voll mit Tomaten ist und Sie Ihrem Ehepartner und ihren drei Kindern sagen, kauft für euch noch Tomaten ein. Wir haben zwar noch einen Gefrierschrank zu Hause. Der Staat hat das aber leider nicht!

Das neue Gesetz eröffnet uns die Chance, uns von der Abhängigkeit vom Ausland in der Energieversorgung schrittweise zu lösen und unsere einheimische und nachhaltige Energie zu fördern. Die 210 Millionen Franken, die zurzeit jährlich aus dem Kanton Luzern in die Ölstaaten fliessen, können mindestens zum Teil in unserem Kanton und in der Schweiz gehalten werden, wenn wir in erneuerbare Energien investieren und unsere Handwerker vor Ort berücksichtigen. Das Gesetz ist weder eine Bevormundung noch führt es zu höheren Mieten, wie dies von den Gegnern behauptet wird. Es fördert die Energieeffizienz und setzt Mindeststandarte bei Neubauten fest. Durch die effiziente Bauweise und den Einbezug des technischen Fortschritts werden im Gegenteil sogar Nebenkosten gespart.

Priska Wismer-Felder, Kantonsrätin CVP, Rickenbach


Das neue Energiegesetz ist in mehreren Teilen durchaus sinnvoll. Was dabei aber zu denken gibt: dass bei Neubauten ein Teil der von ihnen benötigten Elektrizität von ihnen selbst erzeugt werden soll, oder dass eine Ersatzabgabe zu entrichten ist. Fakt ist:

Ein sehr grosser Anteil des Gesamtenergiebedarfs eines Wohnhauses ist Wärme. Dieser Wärmebedarf kann dank des hohen Wirkungsgrades von Sonnenkollektoren zu einem grossen Teil gedeckt werden.

Wird aber durch das neue Gesetz erzwungen, dass die selbst erzeugte Energie die Form von Elektrizität haben muss, kommen bei den meisten Neubauten nur noch Fotovoltaikanlagen in Frage. Es ist aber bekannt, dass diese einen massiv tieferen Wirkungsgrad als solarthermische Anlagen haben. Zudem ist durch die energieintensive Herstellung von Fotozellen der Grauenergieanteil sehr hoch.

Schade um den sonst guten Gesetzesentwurf!

Martin Bachmann, Beromünster

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