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Leserbrief

Über Vollgeld, Clowns und die Nationalbank

Zum Leserbrief «Was für die Vollgeld-Initiative spricht», Ausgabe vom 15. Juni

Diese Woche äusserte sich Ivo Muri in einem pointierten Leserbrief zur Vollgeld-Initiative. Der Befürworter stört sich am heutigen Finanzsystem. Es ist ihm ein Dorn im Auge, dass unsere Banken Buchgeld schaffen und mit unserem Geld arbeiten dürfen. Herr Muri schreibt: «Wenn Privatbanken Geld schöpfen dürfen, warum erlauben wir dies nicht den Landwirten, der Stadt Sursee, dem Circus Knie und den Hausfrauen?» Ja, warum eigentlich nicht? Nun, es ist eigentlich ganz einfach: Genauso wenig, wie ich mir meinen Finanzberater in der Manege vorstellen kann, möchte ich nicht, dass meine Geldgeschäfte von einem Zirkus-Clown betreut werden. «Schuster bleib bei deinen Leisten», lautet meine Devise bei wichtigen Themen wie diesem. Die Geldschöpfung durch Privatbanken sei einer direkten Demokratie nicht würdig, behauptet Herr Muri weiter. Auch da bin ich anderer Meinung. Das Finanzsystem in der Schweiz funktioniert. Unser Land hat seine Staatsfinanzen im Griff, die Zinsen sind tief, Kredite erhältlich, dem Werkplatz geht es gut. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten auch die Banken, welche dezentral – und innerhalb klarer regulatorischer Vorgaben – Unternehmen und Privatpersonen zuverlässig mit Krediten versorgen. Effizient, kostengünstig, unbürokratisch. Wer eine Zentralisierung und Monopolisierung der Kreditvergabe fordert und somit nur noch die Nationalbank Geld schöpfen lassen möchte, glaubt daran, dass der Staat diese Aufgabe besser löst als private Anbieter. Und hat zudem die Ur-Aufgabe unserer Nationalbank nicht verstanden, nämlich die Preisstabilität der Schweizer Wirtschaft. Dafür braucht sie absolute Unabhängigkeit und totale Handlungsfreiheit. Mit der Vollgeld-Initiative setzen wir diese Stabilität aufs Spiel – und das ohne jegliche Not. Das ist nicht nur unvernünftig, sondern gefährlich.

Felix Howald, Luzern, Co-Präsident Zentralschweizer Komitee «Vollgeld-Nein»


Auch wenn die Mehrheit der Finanzexperten gleicher Meinung ist, kann es sich um einen Irrtum handeln, weil sie davon sehr gut leben. Im Grundsatz geht es bei der Vollgeld-Initiative darum, die Finanzwirtschaft wieder näher an die Realwirtschaft zu bringen. Die Geschäftsbanken schöpfen heute, aus dem Nichts und zinsfrei, elektronisches Geld, mit dem sie selber Finanzprodukte kaufen, ihre Immobiliengesellschaften alimentieren oder Kredite vergeben können. Danach bezahlt der Kreditnehmer vom ersten Tag an Zins, für Geld, das vor seinem Schuldzugeständnis nie existiert hat.

Die Milliardengewinne daraus fliessen mehrheitlich den unersättlichen Aktionären der beiden Grossbanken zu, vielfach nach Übersee.

Erst die alleinige Schöpfung des elektronischen Geldes durch die Nationalbank und die Kreditvergabe durch sie an die Geschäftsbanken zum Leitzins macht im Krisenfall einen Franken zu einem Franken. Der viel gepriesene Einlagenschutz von hunderttausend Franken pro Bankbeziehung ist bei sechs Milliarden limitiert. Das reicht gerade mal für sechzigtausend Bankbeziehungen bei über acht Millionen Einwohnern. Wenn wir die Souveränität der Schweiz stärken und unser Geld krisensicher machen wollen, stimmen wir Ja.

Andreas Müller, Gelfingen

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