Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Leserbrief

Wahlstrategisches Debakel

«Souverän oder kopflos», Ausgabe vom 19. Mai

Die Alternative-die Grünen und die SP liegen sich nach dem angekündigten Verzicht von Frau Weichelt auf eine weitere Kandidatur für den Regierungsrat in den Haaren. Alt-Kantonsrat Martin Stuber versucht es mit der bekannten Taktik «Angriff ist die beste Verteidigung» und wirft der SP vor, eine «bedenklich dünne Personaldecke» zu haben. Dieser Versuch abzulenken misslingt.

Der ehemalige SGA- und heutige ALG-Kämpfer Stuber macht es sich definitiv zu einfach. Man nimmt ihm die gespielte Naivität nicht ab. Ein alter Polithaudegen wie er, gestählt durch harte Auseinandersetzungen über Jahrzehnte, weiss genau, dass nach den Wahlen vor den Wahlen ist. Ausserdem hat jeder Stratege und Taktiker stets einen Plan B in der Schublade. Politiker sowieso. Spätestens nach der knappen Wiederwahl von Frau Weichelt vor vier Jahren hätte man sich Gedanken über die Nachfolge machen müssen. Schon bald hat sich aber abgezeichnet, dass die SP mit Barbara Gysel und Zari Dzaferi die Erfolg versprechenderen Kandidaten in der Pipeline hat. Es ist deshalb durchaus glaubhaft, wenn abgewartet wird, bis diese beiden Zugpferde für andere Exekutiven nominiert sind. So lässt man den Bündnispartner, ohne selbst auffällig aktiv zu werden, ins Leere laufen. Man könnte auch sagen, die ALG hat die Gutgläubigkeit der SP ausgenutzt, ja sie regelrecht ausgebremst. Und die SP war sträflich naiv. Eigentlich blöd, wenn sich ALG und SP selbst zerfleischen. Die Zuger Regierung könnte einen linken Sitz locker vertragen.

Eine versöhnliche Geste, die Weitsicht, Grösse und strategisches Verständnis zeigen würde, wäre als Beitrag zur Beilegung des Konflikts zum Beispiel die Unterstützung von Zari Dzaferi bei den Gemeinderatswahlen in Baar. Die ALG kann ja nicht ernsthaft meinen, dass ihre bisherige Vertreterin im Gemeinderat Baar, eine heute 62-jährige, glaubhaft für eine junge, dynamische und zukunftsorientierte Linke steht. Überdies ist sie Teil eines Rates, der «im Tiefschlaf zu sein scheint», wie Jost Windlin in seinem Leserbrief in der gleichen Ausgabe der Zuger Zeitung treffend analysiert.

Geschieht dies nicht, könnte sich die Geschichte wiederholen und in vier Jahren würden ALG und SP erneut zu den verbalen Messern greifen. Falls nicht bei den Wahlen für den Regierungsrat, dann bei jenen für den Baarer Gemeinderat. So schafft sich eine halbwegs verbundene Linke tatsächlich langsam selber ab. Ganz ohne Zutun. Als unbeteiligter Beobachter kann man da bloss die Füsse hochlegen und ob dem unprofessionellen Gebaren staunen. Ein Lehrstück an verfehlter Taktik und komplett vermasselter Wahlstrategie. Ein veritables Debakel eben.

Beat Schertenleib, Kommunikations- und Politikberater, Baar

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.