Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wo sollen die weniger wohlhabenden Senioren leben?

«Regierung stoppt Pflegebetten-Ausbau», Ausgabe vom 24. Oktober
Claudia Estermann, Freiberufliche Pflegefachfrau Hf, Luzern

Wie soll das gehen? Ambulante vor stationärer Pflege ohne Änderung des Krankenversicherungsgesetzes? Ich finde es toll, wie die Selbstständigkeit beim Wohnen im Alter auf verschiedenen Ebenen gefördert wird und begrüsse die Idee des betreuten Wohnens ergänzend zu Pflegeabteilungen sehr. Ich kann mir aber ganz einfach nicht vorstellen, wo weniger begüterte Menschen, die Pflege benötigen, bei Reduktion und Schliessung von Pflegebetten künftig leben sollen. Ich möchte auf folgende Problematik hinweisen: Vom betreuten Wohnen können nur jene Menschen Gebrauch machen, die sich im Verlaufe ihres Lebens finanzielle Rücklagen aufbauen konnten. Viele pflegebedürftige Senioren konnten aber nach früherer Gesetzeslage während ihrer Erwerbstätigkeit keine Pensionskasse einrichten. Oder sie verloren ihr bei einem Arbeitsverhältnis Angespartes bei einem Arbeitsplatzwechsel.

Trotz oftmals vorliegender gesundheitlicher Einschränkung, Notwendigkeit und klarer Indikation steht also nicht allen ein Umzug in eine betreute Wohnform offen. Als ambulante Leistungserbringerin Pflege verhandle ich oft mit Krankenversicherern und habe die Erfahrung gemacht, dass bei ihnen der Grundsatz gilt: Übertreffen die ambulanten Pflegekosten pro Tag diejenigen einer Tagespauschale in einem Pflegeheim, kann der Versicherer ablehnen, sie zu zahlen. Das heisst in der Praxis: Kostet ein Patient, daheim lebend und ambulante Pflege benötigend, eine Krankenversicherung mehr als eine stationäre Tagespauschale in einer Pflegeinstitution, muss der Leistungsempfänger den Differenzbetrag selber bezahlen. Kann er sich die Pflege daheim finanziell nicht leisten, hat er keine andere Wahl, als in ein Pflegeheim einzutreten.

Wie oben erläutert, kann genau ein solcher Mensch aus finanziellen Gründen auch nicht in ein Angebot für betreutes Wohnen umziehen. Wo sollen also künftig bei Bettenreduktion und Schliessung solche Menschen ihren Platz zum Leben bekommen? Müsste nicht parallel dazu zwangsläufig eine Gesetzesänderung eingeleitet werden, um den politischen Grundsatz «ambulant vor stationär» durchführbar zu machen?

Claudia Estermann, freiberufliche Pflegefachfrau HF, Luzern

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.