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Wohin steuern die Bildungseinrichtungen?

«Wer weiss denn schon, was in elektronischen Geräten verbaut ist» und «Wie Schulen sanft gesteuert werden», Ausgaben vom 7. und 9. März
Ernst Elsener, Cham, Ehemaliger Dozent Für Informatik-Didaktik An der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz

Sowohl Carl Bossard als auch Andreas Iten beklagen den mangelnden Tiefgang digitaler Lehrmittel und mahnen, dass maschinengesteuertes Lernen oder apparativer Unterricht mit seiner entsinnlichten Wahrnehmung keine nachhaltigen Erlebnisse schaffe. Eine solche Kritik trifft bestimmt auf die Drill- und Practice-Programme der 80er-Jahre zu, aber sicher nicht auf didaktisch ausgewogene, aktuelle Formen des Computereinsatzes.

Nicht den Technologiekonzernen, sondern uns Pädagogen fällt die Rolle zu, unsere Vor­stellungen von nachhaltiger Bildung durchzusetzen. Noch so ausgeklügelte, didaktische Konzepte scheitern allerdings nicht selten an der Umsetzung durch die Lehrperson. Hinsichtlich der dringenden Aufgabe, Lehrpersonen im Einsatz von digitalen Medien zu schulen, haben wir uns in der Aus- und Weiterbildung zu lange Grabenkämpfe geliefert und dabei wertvolle Zeit verloren.

Wir kennen seit mindestens zwanzig Jahren wirksame und erprobte computerunterstützte Lernszenarien. Typischerweise sind darin konventionelle Lernformen und selbstgesteuertes Lernen mit digitalen Medien verwoben. Tatsächlich liefern Lernplattformen Informationen über individuelle Lernfortschritte. Dadurch wird das Lernen aber nicht zu einem maschinengesteuerten Prozess, sondern diese Rückmeldungen erlauben dem informierten Coach, endlich der alten Forderung nach individualisiertem Lehren gerecht zu werden. So können wir die in den 60er-Jahren formulierten Forderungen des «Mastery-Learnings» (Benjamin Bloom) einlösen. Die Studierenden sollen solange bei einem Lernziel verweilen, bis sie es meistern. Ein empathisches Coaching durch einen Tutor ist dabei erwiesenermassen der Pfeiler für den Erfolg.

Inzwischen haben wir die Wirksamkeit solcher Lernszenarien mehrfach evaluiert. 2004 haben wir den Blended-Learning Ansatz am Swiss Banking Institut der UniZH durch das Arbeitspsychologische Institut der ETH evaluieren lassen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Reflexion der Lernenden und der Austausch mit dem Dozenten und den Tutoren wesentlich intensiver waren als in konventionellen Lehrveranstaltungen. 2017 evaluierten wir (B360 Education Partnership) einen Mathematikkurs mit Computerunterstützung an der NUST (Nami­bian University of Science and Technology). Inzwischen wünschen die Studierenden diesen Ansatz auch in anderen Fächern, weil sie die individuelle Unterstützung schätzen.

Die beiden Beispiele aus dem tertiären Bildungsbereich belegen, dass der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln die Reflexion und damit die Vertiefung des Lernens fördern kann. Die Einführung dieser Methode setzt aber eine sorgfältige Vorbereitung der Lehrpersonen auf ihre neue Rolle voraus. Auf jeder anderen Schulstufe muss genauso umsichtig geklärt werden, wo und wie digitale Medien optimal eingesetzt werden können. Nicht die Wahl der technischen Ausrüstung, sondern die adaptierte Didaktik ist der Schlüssel zum Erfolg. Während in Afrikas Schulen der Nutzen digitaler Hilfsmittel unbestritten ist, glauben viele bei uns, digitale Medien je nach Gusto der Lehrperson einsetzen oder ignorieren zu können. Dabei vergessen wir, dass die Schüler die digitalen Medien in der Freizeit konsequent nutzen. Schon deshalb müssen wir die Herausforderung der digitalen Zukunft annehmen, die Jugend zur Reflexion anleiten und die Chancen für das Lernen nutzen.

Ernst Elsener, Cham, ehemaliger Dozent für Informatik-Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz

Die punktgenaue Analyse von Mario Andreotti in seinem Artikel «Wie Schulen sanft gesteuert werden» zeigt, wohin sich die meisten schweizerischen Bildungseinrichtungen bewegen. Die monothematische Ausrichtung der reduktiven Kompetenzdidaktik und des selbstorganisierten Lernens mit dem Computer unter dem Diktat der dominanten Ökonomie (OECD sei Dank) führt immer weiter weg von einer Pädagogik der ganzheitlichen Bildung und der Ausgestaltung der persönlichen Anlagen der Kinder und Jugendlichen. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, wusste schon Aristoteles. Der mit viel Wissenschaftlichkeit aufgeblasene Lehrplan 21 macht das Gegenteil. Und selbst organisiert muss gelernt werden, was später wahrscheinlich rentiert und was laut Steuerungskoeffizienten auf dem Bildschirm der Schulleitung leuchtet. Das Beispiel dazu im Kanton Zug ist das Amt für Brückenangebote, das eben diese Doktrin in den letzten Jahren über die drei dazu gehörenden Schulen stülpte, unabhängig davon, wie sinnvoll das konstruktivistische Diktat für die einzelnen Schüler und die Lehrerin ist.

Des Lehrers Mitarbeit bestand im Abnicken der neuen Lehrstruktur in einschlägiger Innovationsgruppe. Sich selber einbringen, kritisch mitdenken und in einem aufbauenden Diskurs argumentieren, wurde der Leitung immer mehr suspekt. Anstatt genügend Zeit für Korrekturen zu haben, muss man jetzt unter anderem Arbeitszeiten dokumentieren. Ausser der Leitung nimmt die Ergebnisse niemand wirklich ernst, aber zum Steuern reichen sie allemal. Und der Leiter bekommt dadurch eine Aufgabe. Anschliessend führt er Mitarbeitergespräche. Vorgängig erfindet er zusätzlich zu dokumentierende Arbeiten durchs Jahr über, die für jeden halbwegs verantwortungsvollen Lehrer selbstverständlich sind, aber vor allem durch viel Bürokratie die Angestellten langweilen. Vor Weihnachten jeweils wird darüber gesprochen und der Chef erwartet eine positive Bestätigung seiner Forderungen. Kritische Gedanken passen nicht dazu, und falls jemand trotzdem aufgegleiste Normen in Frage stellt, wird ihm nahe gelegt, nach einer neuen Herausfor­derung zu suchen. «Ich glaub, so passisch nüme zu eus». Spätestens hier kippt das sanfte Steuern in die Demontage der berufsbezogen verantworteten Autonomie und der Metho­denfreiheit der Lehrerinnen.

Ruedi Beglinger, Allenwinden

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