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Zweifel an den Vorzügen der Digitalisierung

Doris Leuthard hatte in ihrer Rede beim Europaforum im KKL Luzern eine bedenklich naive Haltung gegenüber der Digitalisierung. Sie verkörpert, wie viele Wissenschaftler, die bedingungslose Gläubigkeit an Fortschritt und übersieht, dass es oft besser wäre, 20 Schritte zurückzugehen als nur einen vorwärts. Natürlich tun wir uns schwer mit den neuen Technologien, aber im Gegensatz zu den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, in der eine ähnlich rasche Umwälzung der Gesellschaft und Technik zu beobachten war, waren damals die Kon­zerne weniger mächtig, und ich traue denen keinen Schritt über den Weg. Um der Rendite willen zerstörten sie ganze Län­der, fachten Kriege an mittels willfährigen Regierungen. Es ist unvorstellbar, wie viel Leid verursacht wird, damit wir im Westen mit unseren Mobiltelefonen, Elektromobils prahlen können. Es klebt schon lange nicht nur am Gold Blut, sondern an den meisten Rohstoffen, und wir weigern uns, dies wahrzunehmen. Natürlich wurde im Ersten Weltkrieg, wie heute meistens, wegen Rohstoffen ein Krieg begonnen. Aber meiner Ansicht nach gab es damals mehr verantwortungsvolle Politiker als heute, die das Schlimmste zu verhindern versuchten.

Würden gewerblich Orientierte beziehungsweise Patrons jene Konzerne leiten, die alles digitalisieren wollen, könnte ich mich vielleicht noch erwärmen, ihnen zu vertrauen, aber heutige Konzernführer kennen keinerlei Grenzen und ordnen alles der Rendite unter. Menschlichkeit ist ihnen fremd. Die Digitalisierung durchdringt alles in unserem Leben, und ich neige dazu zu behaupten, dass sie uns nur zum kleinen Teil das Leben er­leichtert. Im Gegenteil, sie ver­kompliziert alles, und wenn be­hauptet wird, dass sie Arbeitsstellen schafft, vermute ich stark, dass es in der Bürokratie Arbeitsstellen schafft. Flexibel müssen aber die Arbeiter sein, auf deren Buckel alles geschieht. Es gibt sicher positive Aspekte der Digitalisierung, aber ich sehe sie selten. Was mir am meisten Angst macht, ist, dass heute eine Wissenschaftergeneration am Werk ist, welche ihre Grenzen nicht mehr kennt und alles für machbar hält. Sie reden von künstlicher Intelligenz, machen sich jedoch keinerlei Gedanken darüber, was das für die Gesellschaft bedeutet.

Michael Ebinger, Rotkreuz

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