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Kolumne

Letzte Stunden vor dem Spiel

Marc Janko, Lugano-Stürmer und früherer Captain des österreichischen Nationalteams, über Gedanken vor dem Spiel.

Zwei Stunden vor einem Spiel reist die Mannschaft zum Stadion. Im Bus ist es nun mucksmäuschenstill, Kopfhörer haben Hochkonjunktur. Mit individueller Beschallung der Ohren bewundern die Spieler das Geschehen auf den Strassen und wie es den Polizisten gelingt, sie sicher und schnell durch den Verkehr zum Stadion zu dirigieren. Unter dem Deckmantel des blauen Lichts ­erreicht man etliche Verkehrs­delikte später das Stadion.

Wie ferngesteuert und in Gedanken versunken schlendert man den meist sehr kurzen Weg zur Stadionkabine. Spätestens jetzt steigt bei jedem Spieler spürbar die Spannung, weil einem nun klar wird, dass es bald losgeht. In der Kabine steuert jeder zielstrebig den ihm zugewiesenen Sitzplatz an. Eine grosse Anzahl von Spielern, mit denen ich während meiner Karriere zusammengespielt habe, war in irgendeiner Form abergläubisch. So absurd es für Aussenstehende klingen mag, aber ohne das Abhandeln gewisser zwanghafter Störungen, gerne als Rituale betitelt, geht es nur sehr selten.

Noch schnell duschen gehen, nackt ins Eisbecken hüpfen und Gymnastikübungen in der immer gleichen Reihenfolge ausüben sind nur ein paar wenige skurrile Beispiele. Fragen Sie mich nicht warum, aber ich persönlich muss mir vor einem Match immer zuerst den rechten vor dem linken Schuh anziehen. Ebenso muss beim Betreten des Spielfelds das rechte Bein den Anfang machen. Für den Fall, dass Sie sich jetzt stirnrunzelnd fragen, was das Ganze soll: Ja, ich weiss, wie das klingt!

Ob in Gedanken versunken, fokussiert oder sich seiner Zwänge hingebend: Der Moment, in dem man endlich den grünen Rasen betreten kann, ist ein befreiender. Die äusseren Umstände zwingen dich, deine Aufmerksamkeit und deinen Fokus ins Hier und Jetzt zu richten und deine dir zur Verfügung stehenden Sinne für die kommenden 90 Minuten dem Fussball zu widmen. Ein schönes Gefühl.

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