Kolumne

Landauf, landab: Lotto im Zügli

In der aktuellen Kolumne «Landauf, landab» schreibt Journalistin Luzia Mattmann über eine spezielle Form, sich beim Zugfahren zu amüsieren.

Luzia Mattmann, Journalistin
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Luzia Mattmann

Luzia Mattmann

Eigentlich hab ich’s nicht so mit dem Glücksspiel. Eine Ausnahme ist Lotto. Wenn immer möglich, gönne ich mir einen jährlichen Match und geniesse die Stimmung: Alle sitzen mucksmäuschenstill im Säli, auf den Tischen sind Plüschtier- und Glücksstein-Batterien ausgelegt. Die Insider erkennt man an den persönlichen Abdeck-Plättchen, die sie in einem samtenen Säckli mitbringen.

Die Pläuschler, so wie ich, begnügen sich mit dem Material vor Ort. Gemeinsam haben alle eins: die Hoffnung auf das grosse Glück. Oder zumindest einen Trostpreis. Sie mögen sich fragen, warum ich jetzt mit dem Lotto anfange, wo doch erst gerade die Fasnacht vorbei ist (schnief) und der Lottoherbst in weiter Ferne liegt.

Nun, es gibt eine geniale Methode, wie man sich die Lottosaison in die gegenwärtige, allzu graue Saison holen kann. Das Spiel heisst Zug-Lotto. Es ist ganz einfach. Nehmen Sie ein Blöckli und einen Kugelschreiber. Das Blatt Papier unterteilen sie mit vier Strichen in neun Felder. In jedes Feld schreiben Sie eine markante Situation, wie sie im Zug des Öfteren eintritt, etwa: Pendler schläft mit offenem Mund. Frau zieht sich den Lidstrich nach. Kind schreit nach Essen. Jemand isst Kebab. Geräuschvolles Schnäuzen. Person telefoniert mit «Schatz».

Sie setzen sich in den Zug, fahren los und jedes Mal, wenn die beschriebene Situation eintrifft, kreuzen Sie das Feld ab. Wenn alles voll ist, kaufen Sie sich am nächsten Bahnhof einen Blumentopf. Ach ja, kleiner Tipp: Schreien Sie nicht Lotto, wenn der Zettel voll ist. Sondern geniessen Sie still und würdevoll.