Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Madagaskars Helden überraschen beim Afrika-Cup

Der grosse Aussenseiter nimmt erstmals am Afrika-Cup teil – und steht nun im Viertelfinal.
Thomas Weitekamp
Charles Carolus (rechts), Spieler von Madagaskar, im Duell mit Cedric Bakambu (DR Kongo). (Bild: EPA, Muzi N'Tombela, Alexandra, 7. Juli 2019)

Charles Carolus (rechts), Spieler von Madagaskar, im Duell mit Cedric Bakambu (DR Kongo). (Bild: EPA, Muzi N'Tombela, Alexandra, 7. Juli 2019)

Die Namen klingen erst mal nicht nach Erfolgen im Weltfussball, sie scheinen etwas sperrig für die ganz grosse Bühne. Doch genau dort sind Anicet Andrianantenaina und Charles Andriamahitsinoro in diesen Tagen angekommen. In Madagaskars Nationalmannschaft gehören sie zu den Besten – und dieses Team der Unbekannten stürmte in den Viertelfinal des Afrika-Cups in Ägypten.

«Wir erleben hier eine wunderschöne Geschichte und haben schon jetzt Aussergewöhnliches erreicht», sagt Nationaltrainer Nicolas Dupuis vor dem heutigen Duell mit Tunesien (21.00/DAZN):

«Wir haben unseren ganz eigenen Afrika-Cup längst gewonnen. Es ist wundervoll, dass der madagassische Fussball jetzt international wahrgenommen wird.»

Schon seit 1947 stellt die riesige Insel im indischen Ozean zwar ein Nationalteam, erst 72 Jahre später nimmt sie nun aber erstmals an einem grossen Turnier teil. Schon die Qualifikation war eine grosse Überraschung, was seither folgte, ist durchaus sensationell. In der Vorrundengruppe mit dem Mitfavoriten Nigeria (2:0) holte Madagaskar ungeschlagen den ersten Platz, räumte anschliessend im Achtelfinal die Demokratische Republik Kongo im Elfmeterschiessen (4:2) aus dem Weg. Angesichts dieses Erfolges stehe schon jetzt «das ganze Land Kopf», sagt der frühere madagassische Nationalspieler Tony Mamodaly, ein gebürtiger Deutscher, der WAZ:

«Der Fussball spielt eine wahnsinnig wichtige Rolle in der Gesellschaft.»

Eine Profiliga gibt es nicht

Und das, obwohl er in vielen Bereichen brachliegt. Eine Profiliga gibt es nicht, «von Nachwuchsleistungszentren, digitalen Analysetools, Scouting oder Trainingssteuerung ist man Lichtjahre entfernt», sagt Mamodaly. Die meisten Nationalspieler hätten den Fussball daher auf der Strasse gelernt, «mit provisorisch zusammengebastelten Bällen aus Plastiktüten». Der Sport war der einzige Ausweg aus der Armut.

Für die meisten Spieler des aktuellen Teams führte dieser dann nach Frankreich, ins Land der einstigen Kolonialmacht, und dort spielen sie heute noch überwiegend unterklassig. Einige, wie Andrianantenaina (Ludogorez Rasgrad/Bulgarien) und Andriamahitsinoro (Al-Adalah/Saudi-Arabien), haben erneut den Sprung in ein anderes Land geschafft – einen grossen Namen hatte bislang aber noch keiner von ihnen.

Nicolas Dupuis, der Teilzeittrainer

Das galt auch für Coach Dupuis. 21 Jahre lang trainierte er den unterklassigen Klub Moulins Yzeure Foot in Frankreich, nebenbei arbeitete er als Lehrer. Seit 2017 ist er nun Trainer Madagaskars und betreut nebenbei den französischen Viertligisten FC Fleury – das Geld von der Insel genügt nicht zum Leben. «Die Nationalmannschaft funktioniert sehr gut, der Rest in unserem Fussball leider nicht», erklärt Dupuis. Wie gut sein Team ist, soll nun auch Tunesien erfahren, ein Schwergewicht in Afrika. Doch Madagaskar geht auch in dieses Duell ohne Last.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.