Gastkommentar

Liverpool, meine heimliche Hauptstadt Nummer 1

Beni Thurnheer liebt Liverpool, und das nicht nur wegen des Fussballs.

Bernard Thurnheer
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Bernhard Thurnheer.

Bernhard Thurnheer.

Der FC Liverpool steht im Final der Champions League. Das macht mich jünger und sollte den Papst beunruhigen. Jeder Mensch wird durch seine persönlichen Erfahrungen geprägt. Am intensivsten sind die äusseren Einflüsse wohl in den Jahren als Teenager (13- bis 19-jährig) und Twen (20- bis 29-jährig). Als ich in diesem Alter war (1962–1978), faszinierten mich zwei Dinge: der Fussball und die Popmusik. Die Grössten dieser beiden Sparten waren damals der FC Liverpool, der in den 70er-Jahren zweimal Europacupsieger der Meister, einmal Uefa-Cup-Sieger und viermal englischer Meister wurde, sowie die Beatles, die 1963 ihr erstes Album herausbrachten und deren folgende Werke jeweils wochenlang im voraus sehnlichst erwartet wurden: «Help», «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band», «Abbey Road» und so weiter.

Und woher kamen die Beatles? Ebenfalls aus Liverpool. Deshalb hüpfte mein Herz später jedes Mal vor Freude, wenn ich als Fernsehreporter an ein Spiel dahin delegiert wurde.

Liverpool – meine heimliche Hauptstadt Nummer 1. Zugegeben, die Stadt selbst ist überschaubar mit einem hübsch aufgemotzten Hafenviertel mit zahlreichen Cafés und Shops, wo früher noch die grossen Schiffe ankerten, um ihre Industriegüter ein- und auszuladen, und mit einer heimeligen Altstadt mit zahlreichen Pubs, darunter dem legendären «Marquee-Club», wo die Karriere der Beatles einst Fahrt aufnahm. Das wars dann aber im Wesentlichen schon.

Plus das Beatles-Museum. Plus das Stadion an der Anfield Road, Heimstätte des FC Liverpool, der «Reds», mit ihren Fans auf dem Stehplatzhügel hinter dem einen Tor, dem sogenannten «Kop». Vor jedem Spiel erklingt hier aus tausend Kehlen die Fussballhymne «You’ll never walk alone», eine Musicalmelodie, die einst in der Version von «Gerry and the Pacemakers», ebenfalls einer erfolgreichen Liverpooler Band, die Hitparaden stürmte. Und jeder Fussballer, der sich anschickt, von der Garderobe aufs Spielfeld hinauszulaufen, wird auf den ganz besonderen Ort aufmerksam gemacht oder sogar gewarnt, mit einer Tafel, auf der geschrieben steht: «This is Anfield!»

Wer heute in die Stadt am River Mersey reist, wird zwar immer noch auf den Spuren dieser legendären Zeiten wandeln können, doch die Jahre gleiten unbarmherzig dahin. Das Stadion wird laufend den modernen Erfordernissen angepasst und verliert dadurch einen guten Teil seines Charmes, und die Beatles-Melodien verblassen langsam, trotz des sehenswerten Museums. Noch heute kann ich viele der Lieder der Beatles auswendig singen: «Penny Lane there is a barber showing photogaphs», «There’s a word of wisdom, let it be», «We all lived in a yellow submarine». Genau so klingen mir auch die Namen der Spieler des damaligen grossen FC Liverpool bis heute in den Ohren: Kevin Keegan, Kenny Dalglish, Ian Rush.

Liverpool, eine Popmusik-, eine Nostalgie-, vor allem aber eine Fussballdestination! Was aber hat dies alles mit dem Papst zu tun? Nun: 1981 gewann Liverpool den Europacup, Prinz Charles heiratete und der Papst starb. 2008 gewann Liverpool den Europacup, Prinz Charles heiratete und der Papst starb. Vielleicht sollte jemand jetzt, 2019, den Papst benachrichtigen, oder wenigstens dafür sorgen, dass Prinz Charles keine Dummheiten macht.