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Kommentar

Süchtig machende Schlaftabletten sind nur eine Übergangslösung

Besonders ältere Personen nehmen oft Schlafmedikamente. Manche sollten stattdessen besser eine Psychotherapie machen, wollen dies aber nicht. Hier sind Hausärzte in der Verantwortung.
Marlen Hämmerli
Marlen Hämmerli (Bild: Ralph Ribi)

Marlen Hämmerli (Bild: Ralph Ribi)

Dies ist ein Kommentar aus der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Vergesslichkeit, Verlangsamung des Denkens oder Verstopfung. Herzstillstand. Die Liste der möglichen Nebenwirkungen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln ist lang und abschreckend. Dazu kommt das hohe Risiko, süchtig zu werden nach dem Wirkstoff, etwa den Benzodiazepinen. Wer diese Risiken kennt, greift nur im äussersten Notfall zu den heimtückischen Pillen.

Doch nicht in jedem Fall klärt der Hausarzt seine Hilfe suchenden Patientinnen und Patienten über die Nachteile der sogenannten Benzos und Z-Substanzen auf. Auch die 74-jährige Thurgauerin Maria Müller hat nie mit ihrem Arzt über die Gefahren gesprochen. Das ist beunruhigend. Ärzte müssen ihre Patienten vollumfassend über die Risiken der Medikamente informieren, gerade bei Pillen mit hoher Suchtgefahr. Ohne diese Aufklärung ist es dem Patienten nicht möglich, abzuwägen, ob er das Medikament tatsächlich nehmen will.

Ärzte sollten Medikamente mit hoher Sucht­gefahr nur sehr zurückhaltend verschreiben. In der kleinst möglichen Dosis, für die kürzest mögliche Dauer. Trotzdem sind Schlaf- und Beruhigungstabletten weit verbreitet: Jede fünfte Person über 55 nimmt gemäss «Sucht Schweiz» Benzos oder Z-Substanzen – seit mindestens einem Jahr. Gar seit über 40 Jahren nimmt Maria Müller Schlaftabletten. Niedrige Dosen zwar, wie viele Betroffene, doch das schützt nicht vor Abhängigkeit. Versucht der Patient, die Dosis weiter zu verringern, drohen Suchtsymptome: Depressionen, Schlaflosigkeit, Angstzustände.

Trotzdem sagt Philippe Luchsinger, Präsident der Haus- und Kinderärzte Schweiz: «Wenn ein Medikament funktioniert und es dem Patienten damit gut geht, dann lässt man das.» Das ist im Fall von Benzos und Z-Substanzen nur schwer verständlich. Doch Ärzte wollen ihren Patienten nicht schaden. Oft verschreiben sie diese heim­tückischen Pillen aus pragmatischen Gründen.

Manche der Patienten leiden unter psychischen Krankheiten, können deswegen nicht schlafen. Tabletten helfen. Doch damit dämpfen sie die Symptome der Krankheit, nicht aber die Ursache. Eine Psychotherapie wäre nötig. Diese lehnen jedoch viele Patienten ab, weil psychische Krankheiten immer noch negativ behaftet sind.

Genauso wäre es falsch, Benzos und Z-Substanzen zu verteufeln. Und damit jene zu brandmarken, die kurzfristig auf diese Medikamente angewiesen sind. Wer etwa unter Panikattacken leidet, braucht schnell Linderung. Benzos helfen. Verschreiben Ärzte diese, sind sie aber auch dafür verantwortlich, dass ihre Patienten die Pillen nach einer gewissen Zeit wieder absetzen, und doch eine Psychotherapie wagen.

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