Kolumne

Postkarten verzweifelt gesucht

Markus Zwyssig, Redaktor der Urner Zeitung, ist bei der Suche nach einer Postkarte in Thailand nicht fündig geworden.

Markus Zwyssig
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Markus Zwyssig.

Markus Zwyssig.

Aus den Ferien eine Postkarte zu schreiben, das gehörte für uns trotz Handy bisher immer noch dazu. Vor allem, wenn man für die Ferien bis nach Thailand verreist. Da darf man doch zeigen, wie schön es in Südostasien ist.

Die Reise von über 9000 Kilometern von Thailand in die Schweiz legte jeweilen auch unsere Post nicht so rasch zurück. Meistens traf die Karte erst beim Empfänger ein, wenn wir schon lange wieder zu Hause waren. Darüber zerbrachen wir uns aber nicht den Kopf. Die Daheimgebliebenen haben sich doch jeweils im Nachhinein noch über unseren von Hand geschriebenen Kartengruss gefreut. Und wir zeigten damit, dass wir in den Ferien weit weg von zu Hause an unsere Lieben gedacht haben.

Das Ganze hat einen schönen Nebeneffekt: Für unsere Kinder ist das Kartenschreiben in den Ferien eine schöne Beschäftigung. Ein paar Stunden locken wir sie weg vom Handy. Sie müssen sich nämlich überlegen, was sie denn genau auf die Karte schreiben wollen. Und da braucht es mehr als eine Version, denn schliesslich soll ja nicht auf jeder Karte dasselbe stehen. Anschliessend geht es darum, dass das, was man schreiben will, auch einigermassen leserlich auf der Karte steht.

So zählten wir auf, wem wir unbedingt eine Karte schreiben wollen: dem Gotti und Götti, den Freunden der Familie und auch den Kollegen der Kinder. Bei den Postkarten geht es auch um die richtige Auswahl. «Wem schicken wir welches Bild?», fragten wir uns. Wer hat gerne einen schönen Sonnenuntergang? Wer möchte lieber ein Sujet des Strands zu sehen bekommen? Wem zeigen wir das Hotel und die ganze Anlage mitsamt Swimmingpool?

Aber wir hatten die Rechnung ohne unseren Ferienort gemacht. Diesmal wurden wir nicht fündig. Partout liessen sich keine Postkarten finden. Auch mehrmaliges Nachfragen fruchtete nichts. «Die letzten Karten sind lange ausverkauft», bekamen wir immer wieder zur Antwort. Und neue werden keine mehr gedruckt. Die Nachfrage sei nun wirklich zu klein geworden.

Erschwerend kam für uns dazu, dass wir nicht da Ferien machten, wo es die grössten Touristenströme gibt, sondern eher etwas ab vom Trubel. Da werden nicht so viele Menschen nach Postkarten fragen. Unser Ferienort Khanom im Süden von Thailand ist unter Touristen aus dem Ausland nicht besonders bekannt. Der Geheimtipp macht aber den Charme umso grösser. Nur wenige Hotels und Resorts finden sich hier. Schön war es am Meer. Den Strand mussten wir nur mit wenigen anderen Menschen teilen. Da gab es genügend Platz für alle. Nur eben für Postkartenromantik hat hier offensichtlich niemand ein Gehör.

Auf die modernen Annehmlichkeiten mussten wir aber auch in Khanom nicht verzichten. Die Hotels sind schön eingerichtet und auf dem neusten Stand. Es gab praktisch überall gratis WLAN. So blieb uns schliesslich auch für die Feriengrüsse nichts anderes als der Griff zum Smartphone. Aus der Ablenkung und der handyfreien Zeit für die Kinder wurde nichts. Dafür mussten unsere Lieben zu Hause nicht lange warten. Unsere Grüsse und die Ferienfotos aus Thailand schickten wir ohne Zeitverzögerung per Whatsapp in die Schweiz.