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Kommentar

Schweizer Sozis haben es besser: Was die SP vor dem Absturz schützt

In Deutschland, Frankreich und Italien sind die Genossen in einer schweren Krise. Nicht so in der Schweiz. Das hat drei Gründe.
Patrik Müller
Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion CH Media. (Bild: «Aargauer Zeitung»)

Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion CH Media. (Bild: «Aargauer Zeitung»)

Es ist noch nicht lange her, da schauten Schweizer Sozialdemokraten neidvoll in unsere Nachbarländer und erst recht nach Skandinavien. Dort kamen die Genossen auf Wähleranteile von 35 bis 45 Prozent, bisweilen regierten sie mit absoluter Mehrheit. In der Schweiz oszilliert die SP seit Menschengedenken um die 20 Prozent herum. Inzwischen wirkt dieser Anteil jedoch nicht mehr kümmerlich, sondern stolz. Denn anderswo werden die Sozis pulverisiert, hierzulande ist die SP stabil. Warum?

Erstens hat sich die SP frühzeitig gehäutet: Die Arbeiter, die jetzt in Deutschland zur AfD oder zur Linken überlaufen, hat sie längst durch neue Wähler ersetzt – Beamte, Lehrer, Kulturschaffende, Werber und urbane Gutverdienende.

Zweitens ist die SP linker als anderswo in Europa. Das limitiert zwar ihr Wählerpotenzial – verhindert aber auch, dass ihr von links Konkurrenz erwächst.

Drittens ist das Schweizer Parteiensystem ein Sonderfall: Die Zersplitterung blieb aus, mal abgesehen von BDP und GLP, die aber ihren Zenit womöglich schon überschritten haben. Protestparteien wie Autopartei und Nationale Aktion sind verschwunden, geerbt hat die Traditionspartei SVP. Die Schweizer Parteienlandschaft ist insgesamt ein Hort der Stabilität in Europa. Die Ausschläge bei Wahlen sind minim: In Bayern verloren CSU und SPD je über 10 Prozent, bei uns gelten schon 1,5 Prozent als Erdbeben. Das muss nicht in alle Ewigkeit so bleiben. Zurzeit deutet aber nichts darauf hin, dass wir demnächst europäische Verhältnisse haben werden.

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