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St.Galler FDP: Katerstimmung nach der KKS-Party

Der mächtigste Ostschweizer Wirtschaftsverband IHK empfiehlt anstelle von FDP-Kantonsrätin Susanne Vincenz CVP-Regierungsrat Benedikt Würth für den Ständerat. Für den Freisinn ist das eine mittlere Majestätsbeleidigung.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor. Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor. Bild: Benjamin Manser)

Schauen wir uns den Gemütszustand des St. Galler Freisinns etwas genauer an, so gibt es eine Welt vor Weihnachten und eine danach. Im November feierte die freisinnige Nomenklatura den neuen Chef des mächtigen Wirtschaftsverbandes IHK Markus Bänziger. Der Ausserrhoder trat an die Stelle Kurt Weigelts, der die Geschicke des Verbandes fast zwölf Jahre lang gelenkt hatte. Wenige Wochen später folgte der nächste Höhepunkt: Mit Karin Keller-Sutter wurde im Dezember die Sonnenkönigin des Ostschweizer Freisinns in den Bundesrat gewählt. Champagnerkorken überall.

Davon ist im neuen Jahr nicht allzu viel übrig geblieben. Die St. Galler FDP und der freisinnig dominierte Wirtschaftsverband IHK sind unverhofft in eine Beziehungskrise gerutscht, die Partystimmung von Ende 2018 ist nur noch eine schöne Erinnerung. Was ist passiert? Der freisinnige IHK-Chef Bänziger und sein freisinniger Vizedirektor Robert Stadler beenden ihre Zusammenarbeit, ehe sie richtig angefangen hat. Die Episode wirkt sich auf die Zusammensetzung der FDP-Nationalratsliste aus. Stadler verzichtet nach seiner Kündigung bei der IHK auf eine Kandidatur – sehr zum Verdruss der FDP-Rennleitung, die viel vom jungen IHK-Vize hält.

Fast gleichzeitig spricht sich der mit vielen Freisinnigen durchsetzte Wirtschaftsverband bei den Ständeratswahlen für CVP-Regierungsrat Benedikt Würth aus. Ausgerechnet! Für freisinnige Parteisoldaten grenzt das an Verrat. FDP-Geschäftsführer Christoph Graf stellt in den sozialen Medien nonchalant einen Zusammenhang her zwischen Benedikt Würth, der als Vertreter des Kantons im Verwaltungsrat der Kantonalbank sitzt, und KB-Chef Roland Ledergerber, der die IHK präsidiert. Bruderküsse bei der IHK? Filz statt Fakten?

Für Polit-Interessierte bieten die Geplänkel köstliche Unterhaltung. Ausgerechnet der FDP-Sekretär wirft der IHK Filz vor. Das ist fast schon Realsatire. Abgesehen davon ist der Entscheid des Wirtschaftsverbandes, auf CVP-Mann Benedikt Würth zu setzen, rational nachvollziehbar. Im Unterschied zu FDP-Kantonsrätin Susanne Vincenz verfügt Würth über einen politischen Rucksack, der ihn tatsächlich für das Amt des Ständerats qualifiziert. Filz-verdächtig wäre eher gewesen, wenn die Industrie- und Handelskammer die weniger profilierte FDP-Frau zur Wahl empfohlen hätte. Der Verband demonstriert mit seinem Entscheid parteipolitische Unabhängigkeit. Das ist eine gute Nachricht.

Doch zurück zur FDP: Nach der Party folgt oft der Kater. Mit Karin Keller-Sutter und Kurt Weigelt haben zwei Schwergewichte die kantonale Bühne verlassen. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch, besagt ein geläufiges Sprichwort. Ähnliches spielt sich nun auch im Freisinn ab. Die junge Führungsriege rund um Parteipräsident Raphael Frei und Geschäftsführer Christoph Graf ist verständlicherweise nicht immer in der Lage, alle Winkelzüge zu kontrollieren.

Die FDP stand nach dem Abgang von KKS vor der kniffligen Frage, mit welcher Persönlichkeit die Partei in die Ständeratswahlen ziehen sollte. Es war allen klar, dass es schwierig werden dürfte, den traditionellen FDP-Sitz gegen ein Animal politique wie Würth zu verteidigen. Angesichts dieser Ausgangslage mag die allgemeine Aufregung, die sich freisinniger Funktionäre und Kandidaten bemächtigt hat, einigermassen erstaunen.

Klar ist: Mit dem Bruderzwist ist der Ständeratswahlkampf so richtig lanciert. Und wer die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie kennt, erahnt: Die negativen Schlagzeilen werden dem Freisinn und dessen Kandidatin kaum schaden. Anstatt über Metzger Mike Egger von der SVP und Finanzdirektor Benedikt Würth spricht man jetzt auch über Susanne Vincenz. Sarah Bösch, Selfmade-Woman mit Flair fürs Showbusiness, hat das als erste realisiert und versucht seither, via soziale Medien Gegensteuer zu geben. Wenn das so weitergeht, steht uns ein heiterer Februar ins Haus.

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