Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Steigen die Zinsen jemals wieder?

2019 könnten die Zinsen wieder steigen - doch was wären die Folgen?
Reto Lipp
Reto Lipp.

Reto Lipp.

Was bleibt vom Wirtschaftsjahr 2018? Man könnte viele Faktoren nennen, die dieses Jahr geprägt haben: der Handelsstreit zwischen den USA und China, der tiefe Fall von Bitcoin, die Populisten, die Italien an den Rand des finanzpolitischen Ruins gebracht haben, das Abflauen des Wirtschaftswachstums in Europa im zweiten Halbjahr, die Unruhen in Frankreich, die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Besonders wichtig für die nächsten Jahre ist allerdings eine fundamentale Verschiebung im System, nämlich die Tatsache, dass der lange Trend immer tieferer Zinsen gestoppt ist und dass die Zinsen steigen – zumindest in den USA. Der Zinssenkungs-Zyklus, der die letzten Jahre prägte, gehört der Vergangenheit an. Von nun an dürfte es nach oben gehen. 2018 war ein Zwischenjahr – während in den USA die Zinsen stiegen, ist Europa noch in der Phase des Tiefzins-Stillstands. Die Käufe von Euro-Anleihen durch die Europäische Zentralbank laufen zwar Ende Jahr aus – die Zinsen bleiben aber immer noch unverändert tief. Das könnte sich 2019 ändern.

Im Gefolge der EZB dürfte dann auch die Schweizerische Nationalbank ihre Mindestzinsen aufgeben. Dann wären die beiden grossen Blöcke USA und Europa in einem synchronen Zinserhöhungsmodus. Das hat weitreichende Konsequenzen – denn wir sind nicht mehr daran gewohnt, dass Zinsen steigen können. Die Börse hat diese Tatsache dieses Jahr vorweggenommen. Dass die Börsen derart nervös und trotz immer noch gutem globalen Wirtschaftswachstum ins Minus abgerutscht sind, hängt mit der Ungewissheit über die Zinseffekte zusammen. Die meisten Banker oder Finanzmarkt-Teilnehmer haben lang anhaltende Perioden von steigenden Zinsen gar nie erlebt. Von daher kann man nicht wissen, wie Investoren und Anlageprofis reagieren werden, wenn wir in einem lang anhaltenden Zinsanstiegs-Zyklus drin sind.

Und das geht weit über die Aktienmärkte hinaus. Steigende Zinsen reduzieren den Wert von Obligationen – und Obligationen sind Teil sämtlicher Portfolios von Pensionskassen, Lebensversicherungen und dem AHV-Fonds. Zudem führen Zinserhöhungen zu einer Neubewertung von Liegenschaften. Da der Immobiliensektor in der Schweiz besonders wichtig geworden ist, trifft eine Zinserhöhung diesen zentral. Die Neubewertung ist nach einem 30-jährigen Zinssenkungs-Zyklus für die Finanzmärkte keine banale Aufgabe. Was sich schon dieses Jahr an den Finanzmärkten abzeichnete, dürfte sich nächstes Jahr fortsetzen. Ruhige Zeiten an der Börse sind vorbei, denn höhere Zinsen führen auch dazu, dass Aktien weniger attraktiv sind.

Allerdings kann alles natürlich auch ganz anders kommen. Es gibt Experten, die behaupten, die Zinsen werden in Zukunft gar nicht stark ansteigen können. Der Grund: bei wirklich hohen Zinsen wie in den 70er-Jahren wären viele Staaten pleite. Also machen Politiker Druck auf die Notenbanken, sich mit Zinserhöhungen zurückzuhalten oder nur ganz langsam voranzugehen und ständig die Finanzmärkte zu beobachten. Die Notenbanken sind zwar in den meisten westlichen Staaten auf dem Papier unabhängig von der Politik, aber sie nehmen trotzdem die öffentliche Meinung zur Kenntnis. Und ganz unbeeindruckt davon dürften sie nicht sein. Bestes Beispiel dafür ist Donald Trump, der den von ihm selbst ausgewählten Notenbank-Chef über Twitter zu einer anderen Zinspolitik auffordert. So weit sind wir in Europa glücklicherweise noch nicht – und man kann nur hoffen, dass Trumps Beispiel nicht Schule macht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.