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Kommentar

Raser: Von der Sucht nach Adrenalin und Aufmerksamkeit

Nach der Raser-Razzia von Anfang Woche: Die sozialen Medien sind ein Treiber der neuen Raserszene.
Kaspar Enz

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Bin ich gut genug? Schön genug, schlau genug, modisch genug angezogen, um dazu zu gehören? Solche Fragen stellen sich Menschen ihr Leben lang. Kinder mit dem tollsten Spielzeug haben mehr Freunde, deshalb wollen wir als Kinder die Puppe oder die Legosteine der Schulkameraden. Bald ersetzen Schuhe und Frisuren die Spielsachen. Noch später sind es schnelle Autos oder luxuriöse Ferien, gepflegte Gärten und gut erzogene Kinder, für die man gelobt werden will oder um die man andere beneidet. Menschen suchen Bestätigung und Zustimmung. Und wir hoffen, zumindest bei irgendwas besser zu sein als der Nachbar. Ein Urinstinkt, der wohl älter ist als der Mensch.

Soziale Medien haben Erfolg, weil sie genau das ausnutzen. Mit einem Klick kann man nachsehen, was man anziehen oder essen muss, um mitzuhalten. Nicht nur mit Nachbarn, sondern mit der ganzen Welt. Ein Stress vor allem für junge Menschen, die ihren Platz in der Welt noch finden müssen. So spornen sich in dunklen Ecken des Internets junge Frauen gegenseitig zur Magersucht an. Und junge Männer messen sich darin, wer sein Auto am waghalsigsten fährt.

Vermeintliche Helden

Wie die 21 Raser, die Anfang Woche in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Thurgau festgenommen wurden: Sie nahmen an illegalen Strassenrennen und Raserfahrten teil, filmten es und brüsteten sich damit. Ein Phänomen, das sich in den letzten Jahren ausbreitet. Oft sind es Männer mit wenig Zukunftsperspektiven, oft mit Migrationshintergrund: Klappt es im Beruf nicht, kann man sich wenigstens auf der Strasse als Held fühlen.

Der Reiz der Geschwindigkeit

Ein gefährlicher Cocktail, der sich hier zusammenbraut. Die Suche nach Anerkennung paart sich mit dem Rausch der Geschwindigkeit und der Freude an der Technik. Mit ihren Raserfahrten setzen die jungen Männer ihr eigenes Leben aufs Spiel – und dasjenige Unschuldiger. Daran ist die Autoindustrie nicht ganz unschuldig. Hohe Geschwindigkeiten sind nicht nur fast überall verboten. Trotzdem versprechen die Hersteller gerne noch mehr Leistung. Kein Wunder, wollen einige ausprobieren, wozu all die PS unter der Haube in der Lage sind. Pferdestärken, die leicht zu haben sind: Oft sind die Fahrzeuge der Raser geleast und laufen auf Verwandte.

Dem Phänomen ist schwer beizukommen. Wer schnelle Autos oder Handys nicht verbieten will, kann nur auf harte Strafen pochen. Diese gibt es seit der Einführung des Rasergesetzes. Auch deshalb stellt die Polizei der Szene mit Radarfallen und Verkehrskontrollen nach. Zum Glück helfen ihnen die Raser dabei: Ihre Videos, mit denen sie Eindruck schinden wollen, landen auch mal bei den Fahndern. Auch das gehört zu den Tücken der sozialen Medien.

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