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Kolumne

Urner Berggeister

Samuel Schumacher

«Hey», rief der Mann mit dem Tschäpper über die Wiese: «Chömeder au ad Uffüerig?» Wir hatten grad 1200 Höhenmeter hinter uns und wollten nichts anderes als am Seeli oben auf dem Urner «Sunnig Grat» die Beine strecken und unsere Gurkenstängeli in den Hummus-Dip tunken. Aufführungen welcher Art auch immer hätten wir hier oben in der abgeschiedenen Bergwelt nicht erwartet. Doch der Mann bestand darauf und stürmte vor uns her zum Seeli hinauf. Da hockten schon ein paar andere Angelockte. Und dann ging’s los. «Leutsch, ach! Theobald» hiess das Freilichtspiel. Geschrieben hatte es der Mann mit dem Tschäpper. Die Figuren drehten sich in theatralischen Kreisen um die vier Elemente – und um den Berggeist Theobald. Wir hockten verschwitzt in der dünnen Luft, sumpfige Erde an den Schuhen. Das Wasser lief uns beim Gedanken an unser Picknick im Mund zusammen. Und das innere Feuer für die Kultur war für einmal gänzlich erloschen. Hunger hatten wir und trauten uns doch nicht, die Gurkenstängeli aus dem Plastiksack zu holen. Wegen des Raschelns. So viel Respekt vor Urner Berggeistern muss sein, knurrender Magen hin oder her.

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