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Kommentar

Jemen-Krieg: USA ziehen die Notbremse

Analyse zum «vergessenen Krieg» im Jemen
Martin Gehlen, Tunis
Martin Gehlen

Martin Gehlen

Dreieinhalb Jahre lang hatte Mohammed bin Salman im Jemen freie Hand und liess den südlichen Nachbarn in ein unbeschreibliches Elend bombardieren. Nach dem Horrormord an Jamal Khashoggi und den provokanten Lügen Riads zum Tatablauf jedoch gerät nun auch der «vergessene Krieg» des saudischen Kronprinzen mehr und mehr ins internationale Rampenlicht.

Am Mittwoch ging die amerikanische Regierung zum ersten Mal seit Kriegsbeginn im März 2015 demonstrativ auf Distanz zu der Jemen-Katastrophe, die der 33-jährige Thronfolger als oberster Feldherr angerichtet hat. Man habe den Krieg «da unten lange genug angeschaut», erklärte US-Verteidigungsminister Jim Mattis und forderte einen Waffenstillstand innerhalb der nächsten 30 Tage, eine strategische Wende in der US-Politik, die ausdrücklich auch von US-Aussenminister Mike Pompeo unterstützt wird.

Die Vereinten Nationen haben den Konflikt als das «grösste humanitäre Desaster der Gegenwart» bezeichnet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden bisher mindestens 62000 Menschen getötet oder verletzt, die wirkliche Zahl dürfte wesentlich höher liegen.

Ungeachtet dessen versuchen die von Riad und Abu Dhabi befehligten Truppen weiterhin, den Krieg mit einem Sturmangriff auf die von den Huthis kontrollierte Hafenstadt Hodeida am Roten Meer zu entscheiden. 10 000 zusätzliche Soldaten sollen in die Umgebung von Hodeida verlegt worden sein, über dessen Hafen 70 bis 80 Prozent der Nahrungsmittel und Hilfsgüter ins Land kommen. Auch die Luftangriffe gingen trotz der Mattis-Rede unvermindert weiter. Sollten Anlegebecken und Entladekräne beim Feldzug zerstört werden, käme die Versorgung der ausgehungerten Bevölkerung vollends zum Erliegen. Erst letzte Woche hatte UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock gewarnt, bis Ende 2018 könnten 14 Millionen Jemeniten akut vom Hungertod bedroht sein, das wäre die Hälfte der Bevölkerung.

Ohne die militärische und logistische Unterstützung der USA, Grossbritanniens und Frankreichs könnte Saudi-Arabien diesen Krieg im Jemen nicht führen. 90 Prozent des saudischen Waffenarsenals stammen aus diesen drei Nationen, deren Experten im Einsatzzentrum in Riad auch bei der Auswahl der Bombenziele helfen. Nach Angaben der Website Military.com waren US-Tankflugzeuge mindestens 2900 Mal über dem Jemen im Einsatz, um saudische Kampfjets bei mehr als 12 000 Luftmanövern mit Kerosin zu versorgen. Mit den Erklärungen von Mattis und Pompeo läuten die USA nun das Ende des Jemen-Abenteuers von Mohammed bin Salman ein – nach dem Mordfall Khashoggi der nächste Rückschlag für die ungezügelten Machtambitionen des saudischen Kronprinzen. Zwischen dem Schicksal Khashoggis und den Millionen von Leben, die im Jemen auf dem Spiel stünden, «gibt es eine Verbindung, und die ist der Missbrauch von Macht», kritisierte der frühere britische Aussenminister David Miliband in der BBC.

An der Südspitze der Arabischen Halbinsel hat der Krieg ein unbeschreibliches Debakel angerichtet, wie in dem jüngsten UNO-Bericht nachzulesen ist. «Der Staat Jemen hat praktisch aufgehört zu existieren», heisst es im Text. «Er ist zerfallen in zahlreiche verfeindete Territorien, die sich nur sehr schwer wieder zu einer Nation werden zusammenflicken lassen.»

Korrespondent Martin Gehlen.

Korrespondent Martin Gehlen.

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