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Kommentar

Von Ritter lernen heisst siegen lernen

Zuerst ass er mit seinem Gegenspieler Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann Zmittag. Dann schlug er eiskalt zu. Der St.Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter ist im Bundeshaus der Mann der Stunde. Der oberste Bauer der Schweiz zeigt, wie man erfolgreich Politik macht. Ein Kommentar zum Ende der Sommersession.
Stefan Schmid
Chefredaktor Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Chefredaktor Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Soll noch einer behaupten, die Ostschweiz habe in Bern nichts zu sagen. Das Gegenteil ist der Fall. Mit Karin Keller-Sutter stellt der Kanton St. Gallen eine Ständeratspräsidentin, die nach wie vor ausgezeichnete Chancen hat, Bundesrätin zu werden. Der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni gehört immerhin der Parteileitung der FDP an und macht auch sachpolitisch hin und wieder auf sich aufmerksam. SP-Nationalrätin Barbara Gysi aspiriert nicht ohne Chancen auf das Präsidium des Gewerkschaftsbundes, das von Polit-Dinosaurier Paul Rechsteiner per Ende Jahr geräumt wird.

War’s das? Mitnichten! Spätestens nach dieser Sommersession muss die Liste der einflussreichsten Ostschweizer ergänzt werden. Mann der Stunde ist Markus Ritter, oberster Bauer der Schweiz und CVP-­Nationalrat aus dem Rheintal. Ritter, Biobauer mit eigenem Hof, führt gegen Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) seit Monaten einen Kleinkrieg. Der Magistrat provozierte die Bauernsame mit der Idee, den Grenzschutz substanziell abzubauen, um vermehrt Freihandelsabkommen abzuschliessen. Und er wollte das landwirtschaftliche Forschungsinstitut Agroscope zentralisieren.

Seit der FDP-Magistrat die Vorhaben ventiliert hat, jagt Ritter eine Sau nach der anderen durchs Land – daran änderte selbst ein Versöhnungszmittag zwischen Bauernchef und Bundesrat im «Bären» Madiswil am 22. April nichts mehr. Ritter trommelte gegen Schneider-Ammann, boykottierte medienwirksam Sitzungen, liess in allen wichtigen Schweizer Zeitungen Leserbriefe verfassen. Vor allem aber zimmerte er in unzähligen Einzelgesprächen jene Allianz, die Schneider-Ammanns Projekte im Parlament spektakulär zu Fall gebracht hat. Es ist ein Sieg auf ganzer Linie. Gegen Ritter ist in diesem Staat der Bauern und der Bürger offensichtlich kein Kraut gewachsen.

Der Bauernverband war schon immer eine effiziente und kampfeslustige Lobbyorganisation, obwohl die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft laufend abnimmt. Doch nach dem gmögigen und etwas trägen Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, der die Bauern zwischen 2000 und 2012 präsidiert hatte, hat der schneidige Ritter die Maschinerie frisch geölt und politisch justiert. Resultat: Der straff organisierte Verband ist schlagkräftiger denn je – und Markus Ritter sein unangefochtener Chef.

Doch Ritter macht nicht nur als Bauernlobbyist «bella figura». Er profiliert sich auch in anderen Bereichen mit profundem Sachwissen, präsentiert instinktsicher mehrheits­fähige Lösungen, die er hart­näckig und zuweilen charmant unter die Leute bringt. Als Mitglied der mächtigen Wirtschaftskommission WAK redet er überall mit, wo die Zukunft der Schweiz gestaltet wird.

Wer so auftrumpft, muss keine Angst vor dem nächsten Hosenlupf haben. Zieht es Ritter bei nächster Gelegenheit in den Ständerat? Der 51-jährige Rheintaler hält sich wohlweislich bedeckt, schliesst eine Kandidatur aber nicht aus. Die CVP werde im Herbst 2019 mit einer starken Persönlichkeit an den Start gehen, lässt er ausrichten. Sorgen machen muss sich primär der St. Galler Freisinn, der möglicherweise bald den Sitz von Karin Keller-Sutter verteidigen muss. Aus heutiger Sicht ist bei der FDP niemand in Sicht, der Ritter das Wasser reichen könnte. Möglich wäre aber auch, dass der Bauernchef seinem Parteikollegen Benedikt Würth den Vortritt lässt und sich weiterhin auf seine Rolle als Anführer der Landwirtschaft im Nationalrat konzentriert.

Ob Ritters Aufstieg für das ganze Land eine gute Nachricht ist, das hingegen steht auf einem anderen Blatt Papier. Der weit überproportionale Einfluss der Bauern verhindert tiefere Lebensmittelpreise. Der massive Grenzschutz steht neuen Handelsabkommen tatsächlich im Weg. Reformen täten not. Markus Ritter kann das egal sein. «Es war eine sehr erfolgreiche Session», teilt er mit. «Die vielen Gespräche, die wir im Vorfeld über die Parteigrenzen hinweg geführt haben, waren die Grundlage des Erfolges.» Keine Frage: Von Ritter lernen heisst siegen lernen. Seine Gegner sind gewarnt.

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