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Kolumne

Wann ist ein Depp ein Depp?

So klappt es mit dem (fast-)magistralen Fauxpas
Sasa Rasic

Mikrofon und Politiker – es ist eine Hassliebe. Ohne geht es nicht, und mit geht es manchmal in die Hose. Diesmal hat es die Urner Regierungsrätin und CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z’graggen getroffen.

Ausgerechnet beim Podium, an welchem sich die CVP Aspiranten vorstellten, soll sie einen unbequem Fragenden aus dem Publikum als «Depp» betitelt haben. Nicht gerade die feine englische Art, aber trotzdem nicht ganz auf der Höhe eines wahren, verbalen Faux-Pas magistraler Dimension, wie die subjektive Auswahl zeigen wird.

Offensichtlicher Fehler: das gewählte Ziel. Publikumsbeschimpfungen können sich im Moment richtig anfühlen, sind es aber nie. Zudem wird uns ja allen seit der Kindheit eingetrichtert, dass es keine dummen Fragen gibt. Wenn man dies befolgt und anschliessend als Depp betitelt wird, fühlt man sich schnell einmal als doppelten Depp.

Betrachten wir im Gegensatz dazu einen veritablen Bundesrats-Fauxpas: Moritz Leuenbergers TV-Interview aus dem Jahr 2001, in welchem er sich mit Gefluche über «unvorbereitete Journalisten» auslässt. Hier ist die Zielscheibe richtig gewählt: Journalisten. Die stecken das gut weg, über Empörung im Volk muss man sich kaum Sorgen machen und ihr nächster Medienbeitrag produziert sich mit dem Fehltritt quasi von selbst. Minuspunkte hingegen gibt es für die Kraftausdrücke («de huere Scheiss»), die Sympathien kosten könnten.

Nächster Fauxpas: die absichtliche oder unabsichtliche Namensverwechslung Mörgele/Mengele durch Bundesrat Pascal Couchepin im Jahr 2008. Da die Vorgänge vage bleiben, läuft dieses Beispiel ausser Konkurrenz. Unabhängig davon sei gesagt, dass selbstverständlicherweise sogar die erwähnte Publikumsbeschimpfung der Assoziation des Nachnamens von Parlamentarier (Mörgeli) mit NS-Verbrecher (Mengele) sehr vorzuziehen ist.

Als letztes Beispiel soll hier noch Bundesrat Ueli Maurers schroffe Abfuhr für eine schüchterne Interview-Anfrage von 2015 betrachtet werden («Herr Bundesrat, darf i schnell?» – «Nei, kä Luscht.»). Journalisten als Ziel – super. Kraftausdrücke und historische Begebenheiten vermieden – grandios. Kein schrilles Auftreten mit ausladender Gestik und überschlagender Stimme, aber etwas knurrig, an einen sympathischen Senn erinnernd, der langsam, aber sicher genug hat – perfekt. Sozusagen der bisherige Goldstandard. So macht man es richtig mit dem magistralen Fauxpas.

Sasa Rasic

Sasa Rasic

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