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Kolumne

Was uns die Kostenrechnungen infolge der Sommerhitze sagen

Die hohen Temperaturen zeitigen ökonomische Konsequenzen. So dürften unter anderem die Strompreise bald spürbar steigen.
Marco Passardi*

Europa und die Schweiz sind schon seit langem von einer grossen Hitzewelle erfasst worden. Pflanzen verdorren, Mensch und Tier leiden – die Bilder von Tonnen toter Fische im Rhein zeigen die Konsequenzen des Hitzesommers auf. Oftmals werden die aktuellen Höchsttemperaturen in Verbindung mit dem Klimawandel gebracht; prognostiziert wird, dass uns weitere solche Sommer bevorstehen würden. Aus diesem Grund haben auch Politikerinnen und Politiker begonnen, durch regulative Eingriffe das Ver­halten der Bürgerinnen und Bürger klimaschonender werden zu lassen.

Die Liste solcher Massnahmen wird seit einiger Zeit immer länger: Handel von Emissionsrechten, Grenzwerte für den CO2-Ausstoss von Autos (die zuweilen beim Import durch «kreative» Mischrechnungen optimiert werden); sodann werden ökologisch motivierte Abgaben auf Benzin und Diesel vorgeschrieben, Dämmvorschriften für neu erstellte Gebäude vorgegeben, Diskussionen über Nachrüstungsvorschriften für bestehende Häuser geführt und geplante Verbote von Ölheizungen evaluiert.

Diese Liste liesse sich wohl noch länger fortführen. Konsequenz der Massnahmen ist, dass für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich Kosten (mit steigender Tendenz) anfallen. Sofern dies dem Klima dient, dürften wir alle gerne bereit dazu sein, unseren finanziellen Beitrag zu leisten, um nachfolgenden Generationen weiterhin eine lebenswerte Erde zu hinter­lassen.

Ökonomen können nicht prüfen, ob die aktuelle Sommerhitze wissenschaftlich durch den Klimawandel begründet werden kann oder nicht – dies ist die Aufgabe anderer Wissenschaftszweige. Letztere scheinen dazu zu tendieren, einen Zusammenhang zu bejahen. Das leuchtet ein. Aus ökonomischer Sicht ist es jedoch sehr empfehlenswert, sich zuweilen Gedanken darüber zu machen, wie sich Kosten und Nutzen staatlicher Eingriffe (nicht nur im Klimabereich) präsentieren.

Der niederländische Umweltökonom Richard Tol hat dies für den «Klimaschutz» getan. Dabei stellen sich selbstredend Abgrenzungsschwierigkeiten – nicht jede politische Massnahme kann klar dem Ziel des Klimaschutzes zugeordnet werden. Oder anders ausgedrückt: Gewisse Massnahmen können auch verschiedenen Zielen zu dienen versuchen.

Richard Tols Analysen haben, unter Berücksichtigung der erwähnten rechnerischen Schwierigkeiten, ein ernüchterndes Bild gezeigt. Bis 2010 haben die Staaten der Europäischen Union nahezu 15 Billionen Euro in Klimaschutzmassnahmen geleitet (oder investiert?). Den Temperaturanstieg konnte die Summe jedoch nur um gerade 0,05 Grad Celsius bremsen. Die erwähnte Summe kostet, so die Berechnung des Ökonomen, alle zehn Jahre ein Jahr Wirtschaftswachstum. Die ökonomischen Kalkulationen mögen einen Denkanstoss darstellen, sehr kritisch zu überprüfen, ob der Mitteleinsatz wirklich zweckdienlich erfolgt ist und wie Gegensteuer zu geben ist.

Direkt gemessen werden können aktuell die Folgen für Konsumentinnen und Konsumenten. So müssen Kraftwerke ihre Leistungen drosseln, da das zur Kühlung verwendete Flusswasser zu warm ist (zum Beispiel das Atomkraftwerk Mühleberg BE hat diesbezüglich reagieren müssen); lange Perioden ohne viel Wind bremsen die Erzeugung von Windenergie – die Folgen dürften wohl steigende Strompreise sein.

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) vermeldete bereits, die am 25. Juli 2018 bezahlten Strompreise gehörten zu den höchsten, die bisher in diesem denkwürdigen Hitzesommer zu zahlen gewesen wären. Aber auch kulinarisch zeigen sich weitere Konsequenzen: Deutschland rechnet mit einem Ausfall von bis zu 40 Prozent bei den Kartoffelernten, da die Knollen ab 30 Grad nicht mehr wachsen. Somit dürften Pommes frites und Chips teurer werden (ein ähnlicher Effekt war schon im Hitzesommer 2003 zu beobachten).

Es bleibt uns derweilen nichts anderes übrig, als darauf zu warten, bis dass ein Wetterwechsel zu Linderung führt – wohl werden aber erst kalte und trübe Novembertage dazu beitragen, dass wir uns mit mehr Wohlwollen an die Hitzetage dieses Sommers zurückerinnern.

*Marco Passardi ist Professor, Dozent und Projektleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern.

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