Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Wenn eine Pizza das grösste Geschenk ist

Niemand muss in der Schweiz verhungern oder in jämmerlichen Baracken leben. Dennoch gibt es auch bei uns Armut. Die Weihnachtsaktion "Ostschweizer helfen Ostschweizern" unterstützt Menschen, die Zahnarztrechnungen, das Skilager der Tochter oder einen neuen Esstisch nicht aus eigener Kraft bezahlen können.
Stefan Schmid
Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

In Indien leben Millionen in bitterster Armut. Wer einmal in Mumbai oder New Delhi war – Moloche von Städten, hitzig, dreckig, überbevölkert – weiss, was dies bedeutet. Tausende, ja Abertausende, die ihr Hab und Gut in einem Plastiksack mit sich tragen, an welchem nachts die Hunde schnüffeln. Menschen, die tagsüber auf stinkenden Müllhaufen nach Verwertbarem suchen, später auf einem alten Bettrost ohne Matratze und unter freiem Himmel zu schlafen versuchen. Es sind triste Bilder für westliche Augen, die derlei Zustände nicht gewohnt sind.

Die Slums von Mumbai oder anderen Grossstädten sind für uns der Inbegriff von Armut. Gemessen daran ist in der Schweiz niemand arm. Zum Glück. Dank ausgebauter Sozialsysteme muss hierzulande weder verhungern noch in jämmerlichen Baracken dahinvegetieren, wer über wenig Geld verfügt. Das Existenzminium ist staatlich garantiert – ein zivilisatorischer Fortschritt erster Güte.

Dennoch ist auch unser reiches Land von Armut betroffen, wenn auch anders als Indien. Laut Bundesamt für Statistik gelten 7,5 Prozent der Bevölkerung als arm. Das Hilfswerk Caritas geht gar davon aus, dass rund ein Siebtel der Schweizer Bevölkerung arm oder zumindest armutsgefährdet ist. Das sind mehr als 1,2 Millionen Personen. Oft handelt es sich dabei um Alleinerziehende, schlecht Ausgebildete oder Menschen mit Behinderung.

Die meisten von ihnen sind ohne eigenes Verschulden in die Armutsfalle getappt. Viele gehen einer beruflichen Tätigkeit nach – und müssen am Ende des Monats dennoch jeden Rappen umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Das Einkommen reicht einfach nicht aus, um die Zahnarztrechnung, das Skilager der Tochter oder den Ersatz für den kaputten Esstisch aus eigener Kraft zu finanzieren.

Einer von ihnen ist Pascal Neuhaus. Der junge Mann wohnt im appenzellischen Wald und ist auf Ergänzungsleistungen aus der IV angewiesen. Neuhaus kam mit einer Lähmung zur Welt. Seine rechte Körperhälfte kann er nur viel langsamer bewegen als die linke. Der 27-Jährige fährt gerne Velo. Dieses benutzt er auch, um in seinem Dorf Abfälle im Auftrag der Gemeinde einzusammeln. Doch Neuhaus braucht wegen seiner Beeinträchtigung ein spezielles und damit teures Gefährt. Allein mit IV-Geldern kann die Anschaffung nicht bezahlt werden. Dank der Weihnachtsaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» (OhO), die heuer bereits zum 13. Mal durchgeführt wird, kommt Neuhaus in den Genuss eines Spezialrads, das auf seine körperlichen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Hinter OhO steht ein Verein, der 2005 vom «St.Galler Tagblatt» gegründet wurde. Unsere Zeitung fungiert bis heute – gemeinsam mit Radio FM1 und dem Ostschweizer Fernsehen TVO – als Träger und ist für die Geschäftsführung verantwortlich. Ein ehrenamtlicher Beirat, präsidiert von der ehemaligen Ausserrhoder FDP-Nationalrätin Marianne Kleiner, prüft jedes Gesuch und entscheidet über die Vergabe der Spenden. Im vergangenen Jahr hat OhO über 1,5 Millionen Franken eingenommen und damit mehr als 2100 Gesuche finanzieren können.

Die Aktion kommt Menschen zugute, die wie Pascal Neuhaus in der Ostschweiz zu Hause und in den meisten Fällen arbeitstätig sind. Es geht nicht darum, die Sozialhilfe oder andere Versicherungsleistungen zu konkurrenzieren. Mit der Aktion soll Menschen in schwierigen Verhältnissen gerade in der Weihnachtszeit eine Freude gemacht werden.

In Sitzungen des Beirats wird einem bewusst, worum es bei OhO geht. Eine Familie stellte den Antrag, dass man ihr zu Weihnachten eine Pizza offeriert. Ihr grösster Wunsch sei es, mit den Kindern einmal auswärts essen zu gehen. Der Wunsch ging dank OhO-Spenden in Erfüllung.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.