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Nicht jeder Verein lässt sich führen wie ein Unternehmen

Unternehmer als Präsidenten von Fussballclubs? Das kommt nicht immer gut.
Beni Thurnheer
Fernsehlegende Beni Thurnheer

Fernsehlegende Beni Thurnheer

In meiner Karriere als Fussball-Kommentator habe ich festgestellt, dass der gleiche Fehler immer wieder gemacht wird. Wenn der neugewählte Präsident eines Vereins sagt, er werde den Klub ganz einfach wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen führen, dann ist es wieder einmal so weit! Ich weiss dann schon im Voraus, was nun kommen wird. «Von Fussball habe ich keine Ahnung, aber dafür habe ich ja den Sportchef eingestellt und den Trainer», so wird zunächst der Pfad der Tugend beschritten. «Ich kümmere mich nur um das Wirtschaftliche.» Natürlich sitzt der Herr Präsident dann bei den Spielen seiner Mannschaft auf der Tribüne, und auch dass er mitfiebert, ist nichts als logisch. Innert Kürze entfahren ihm aber schon so Sätze wie «den muss er machen...» oder «den linken Flügel würde ich in der Pause auswechseln» oder, «der rechte Aussenverteidiger spielt viel zu offensiv, ständig laufen wir wegen ihm in einen Konter hinein...».

Nach spätestens drei Wochen wird der Mann, der eben noch behauptete, «vom Fussball keine Ahnung zu haben» seine Beobachtungen dem Trainer mitteilen. Und wenn der Misserfolg anhält und die Tipps des Chefs kein Gehör gefunden haben, muss der Coach schon bald um seinen Job bangen. Nun steht allerdings gar kein Geld für einen Nachfolger zur Verfügung, und das hochheilig abgegebene Versprechen «wir werden nicht mehr ausgeben als wir einnehmen» steht in der Vereinsdoktrin zuoberst. Andererseits: «Falls wir absteigen sollten, würden wir viel mehr Geld verlieren als jetzt mit einer sinnvollen sofortigen Finanzspritze.» Und das Verletzungspech, welches das Mittelfeld schwächt, konnte man ja auch nicht voraussehen... Und so fallen denn die hehren Vorsätze der ach so abgebrühten und cleveren Manager einer nach dem andern um wie Dominosteine. Schon sitzt der Präsident während der Partien auf der Spielerbank. Dass er nicht auch gleich noch den offiziellen Trainingsanzug der Aktiven trägt, ist fast schon ein Wunder. Die Liebe zu seinem Verein ist mindestens so gross wie die Liebe zu seiner frisch angetrauten Frau. Kein Opfer, keine Ausgabe zu gross, die Vernunft hat der hemmungslosen Leidenschaft Platz gemacht. Ob das schlimm ist oder nicht, bleibe dahingestellt, unternehmerisch ist es jedenfalls schon lange nicht mehr.

Ich vermute, auch Gemeindepräsidenten, Regierungs- und Bundesräte treten häufig mit der Absicht an, das Staatswesen wie ein Unternehmen zu führen, und auch sie scheitern damit früher oder später grandios. Auch der Staat entfaltet eine gewisse Eigendynamik. Das Volk gewichtet die Werte oft anders und zieht zum Beispiel die Rettung von Arbeitsplätzen dem höheren Gewinn vor.

Vielleicht müsste die Vorbildfunktion ja sogar umgekehrt funktionieren! Wenn sich nämlich die Unternehmer an den (guten) Fussballpräsidenten orientierten, und nicht nur den maximalen Geldgewinn, sondern auch das Wohlergehen ihrer Arbeitskräfte und das Berücksichtigen spezieller Situationen in ihre Überlegungen einfliessen liessen. Die Unternehmer könnten ferner von den Politikern lernen, dass es ausser dem wirtschaftlichen Wohlergehen noch andere gleichwertige Ziele gibt: Freiheit, Gleichheit, Fairness, Menschlichkeit...

Es ist und bleibt aber einer der grössten Irrtümer zu glauben, jede Vereinigung lasse sich so führen wie ein Unternehmen.

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