Kommentar

Wirten und bewirtet werden: Ein urmenschliches Bedürfnis, das Vertrauen und Verbindlichkeit schafft

Das Leben kehrt zurück. Seit heute Montag haben Restaurants, Bars und Cafés wieder geöffnet. Die Auflagen sind streng, doch Wirte wie Gäste sind dankbar um ein Stück wiedergewonnene Normalität. Wirten und bewirtet zu werden ist ein Luxus, aber einer der gesellschaftlich notwendig ist.

Katja Fischer De Santi
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Katja Fischer De Santi: Redaktorin CH Media.

Katja Fischer De Santi: Redaktorin CH Media.

Bild: Ralph Ribi

Endlich wieder einen Espresso in einem Café bestellen, endlich wieder mit einem frisch gezapften Bier in der Beiz anstossen. Acht Wochen waren Restaurants, Bars und Cafés geschlossen, heute haben sie ihre Türen wieder geöffnet. Unter strengen Auflagen, mit eingeschränkten Öffnungszeiten, viel Plexiglas, Handschuhen, Masken und wenig Gästen auf viel Fläche.

Alles fühlt sich noch etwas ungewöhnlich und steif an, und doch ist es ein grosser Luxus. Denn Restaurants und Bars sind nicht systemrelevant. Niemand braucht zum Überleben ein Drei-Gang-Menü im «Rössli» oder einen Gin Tonic in der Bar. Und doch sehnen sich viele nach der ersten Stange in der Beiz. Denn es geht dabei um sehr viel mehr als ums Essen und Trinken. Wirten und bewirtet zu werden, das ist ein urmenschliches Bedürfnis.

Gaststuben sind soziale Räume, unverbindliche Treffpunkte, Auffangbecken für verlorene Seelen, wo man alleine aber nicht einsam sein kann. Wo einem ein Stuhl und ein Tisch angeboten werden, etwas Aufmerksamkeit. In einer Beiz werden aus Individuen, und sei es nur für ein paar Stunden, eine Gemeinschaft. In der ganzen Menschheitsgeschichte definierten sich Gruppen darüber, dass sie zusammen essen und dafür Regeln aushandeln mussten.

Denn zusammen zu Trinken und zu Essen ist ein intimer Akt, es zeugt von Vertrauen und Gemeinsinn.  Beides ist zentral für eine Gesellschaft. Beides müssen wir nach Wochen in der Isolation schrittweise wieder lernen. Den Anfang machen wir am besten in der Quartierbeiz.