EINKAUFEN: Ein «Online-Shop» zum Anfassen

Ein Traditionsunternehmen geht mit der Zeit: Wäschehersteller Zimmerli of Switzerland erschliesst sich ein neues Einkaufskonzept und eröffnet einen Touchpoint. Was das ist? Wir erklären es.

Susanne Holz
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Jedes Kleidungsstück kann in zwei Grössen anprobiert werden in dem rund 20 Quadratmeter grossen Showroom von Zimmerli. (Bild: PD)

Jedes Kleidungsstück kann in zwei Grössen anprobiert werden in dem rund 20 Quadratmeter grossen Showroom von Zimmerli. (Bild: PD)

Susanne Holz

Es soll ja Leute geben, die nicht so gerne Einkaufstaschen schleppen. Diesen Menschen kommt Zimmerli of Switzerland schon mal sehr entgegen. Denn seit dem 8. September kann man an der Storchengasse in Zürich die Wäsche des Traditionshauses auf einem Touchscreen bestellen und muss sie dann nicht nach Hause tragen, sondern bekommt sie per Post unverzüglich zugeschickt.

Super Sache, aber warum ein Laden? Warum dieser 20 Quadratmeter grosse Touchpoint mit einer Umkleidekabine und einer beratenden Person, wenn es doch auch eine E-Boutique von Zimmerli gibt und man zu Hause am Bildschirm auch bestellen kann?

Ganz einfach: Daheim kann man die edle Wäsche nicht anprobieren und geht das Risiko ein, nicht passende Teile wieder retournieren zu müssen. Und das mögen die meisten Menschen genauso wenig wie das Schleppen von Einkaufstaschen.

Vorbei die Zeiten, alles im Laden da zu haben

Gemäss der aktuellen Futurecom-E-Commerce-Studie kaufen 97 Prozent der internetaktiven Schweizer online ein. Knapp die Hälfte der Nutzer bemängelt aber das fehlende haptische Erlebnis. Die Studie untersucht die Trends im Schweizer Online-Handel. Für die aktuelle Studie wurden 2000 Personen zwischen 14 und 69 aus der Deutsch- und Westschweiz online zu ihrem Shoppingverhalten befragt. Die Online-Bevölkerung wird in drei Generationen unterteilt: in Digital Natives (14 bis 29 Jahre), Digital Immigrants (30 bis 54 Jahre) und Silver Surfer (55 bis 69 Jahre).

Darius Zumstein, Experte für neue Shoppingformen an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, weiss zudem, dass sich der E-Commerce-Umsatz seit 2012 alle vier Jahre verdoppelt. Der Experte sagt: «Produkte vom Laden aus nach Hause liefern zu lassen, ist ein neuer Trend. Damit können die Händler Laden-, Lager- und auch Transportkosten in beziehungsweise aus den Filialen sparen. Die Zeiten, riesige Sortimente offline im Laden vorrätig zu haben, sind für die meisten Unternehmen definitiv vorbei. In den Läden wird noch stärker auf persönliche Beratung und einzigartige Kundenerlebnisse fokussiert.» Vor allem für junge Leute sei es normal, sich Ware nach Hause liefern zu lassen.

Seine Hochschulkollegin Brigitte Gasser (siehe auch Nachgefragt) macht darauf aufmerksam, dass sich in Zukunft noch vieles ändern wird, was das Einkaufen betrifft: «Bezogen auf Kleidung wird Technik einiges an Neuerungen bringen, die nach und nach in den stationären und wo passend auch den Online-Handel Einzug halten werden. Beispiele sind digitale Spiegel und automatische Körpervermessung.»

Nicht alle wollen auf die Ware warten

Und was meint Marcel Hossli, CEO von Zimmerli of Switzerland, dazu, dass das Traditionsunternehmen mit dem Touch­point neuerdings seine Online-Aktivitäten mit dem stationären Handel verknüpft? Hossli findet: «Der Kunde kann die Ware im Touchpoint anprobieren, er wird beraten, und das Gewünschte wird am gleichen Tag ausgeliefert. Für uns hat der Touchpoint den Vorteil der Sichtbarkeit bei gleichzeitig kleiner Ladenfläche – die Zürcher Ladenmieten sind sündhaft teuer.» Der ganze stationäre Handel sei am Stöhnen: «Weil immer mehr Menschen ­online shoppen und zugleich die Ladenmieten hoch sind.»

Da habe man sich bei Zimmerli überlegt: Was tun? Das ­Resultat dieser Überlegungen ist der Showroom an der Storchengasse, der erst mal eine fünfmonatige Probephase durchläuft – danach sehe man weiter. «Alles ist offen», so Marcel Hossli. Und wie kommt der Touchpoint bislang an? «Er läuft erwartungsgemäss erfolgreich. Das Konzept wird von Touristen wie normaler Kundschaft begrüsst. Der Versuchsbetrieb läuft bis Ende Januar.» Für ausgewählte Key Pieces habe man übrigens ein kleines Lager vor Ort eingerichtet: Weil speziell Frauen doch gerne manches Lieblingsstück gleich mit nach Hause nehmen würden.

Hinweis

Zimmerli-Touchpoint, Storchengasse 17, Zürich.

www.zimmerli.com.