FORDERUNGEN: Qualitätskriterien für Gutachten

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Mit zunehmender Bedeutung des Massnahmenrechts steigt auch die Bedeutung der entsprechenden Gutachten. Marc Graf, Professor für forensische Psychiatrie an der Universität Basel, schlägt verschiedene Massnahmen zur Qualitätsverbesserung vor.

  • Fragestellungen anpassen:Gutachter sind keine Juristen, sondern Psychiater. Sie sollten sich daher nicht mit juristischen Fragen (etwa: Ist die Anordnung einer stationären Behandlung verhältnismässig?) auseinandersetzen und keine Empfehlungen aussprechen, sondern die Vor- und Nachteile der verschiedenen Therapiemöglichkeiten aufzeigen. Der Entscheid darüber, welche angeordnet wird, liegt bei den Gerichten.
  • Qualifikation der Gutachter:Künftig sollen Psychiater mit der Begutachtung beauftragt werden, die den neugeschaffenen CAS in forensischer Psychiatrie und Psychologie absolviert haben, der an der Universität Luzern angeboten wird. Der Abschluss wird Voraussetzung für die Erlangung eines entsprechenden Schwerpunkttitels, welchen die Ärztegesellschaft den Fachärzten verleiht.
  • Fortbildung:Es müsste genauer definiert werden, welche Kompetenzen für die Erstellung psychiatrischer Gutachten wirklich wichtig sind.
  • Methoden:Graf fordert, dass wissenschaftliche Standards eingehalten werden. Eine Einschätzung soll auf nachvollziehbaren Beobachtungen basieren, die mit wissenschaftlichen Studienergebnissen in Verbindung gebracht werden.Liegen solche nicht vor, müsse dies transparent gemacht werden.
  • Formale und inhaltliche Qualität:Es brauche Expertenwissen, Erfahrung und die Kompetenz, die Untersuchungs- und Messergebnisse richtig einzuordnen und zu interpretieren.
  • Kontrollpflicht der Gerichte:Die Dominanz der psychiatrischen Fachrichtung müsse man zu verhindern versuchen, indem die Gerichte ihre Kontrollfunktion ernst nähmen. Eine Möglichkeit wären eigene forensische Psychiater, welche die Gutachten prüfen. (ber)

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