PROTEST: Greenpeace geht über die Bücher

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt sich selbstkritisch. «Wir müssen diskutieren, welche Risiken wir künftig eingehen wollen», sagt die Schweiz-Präsidentin.

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Der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber wird in St. Petersburg freigelassen. (Bild: Keystone)

Der Schweizer Greenpeace-Aktivist Marco Weber wird in St. Petersburg freigelassen. (Bild: Keystone)

bu. Die Erleichterung ist gross. Der Schweizer Umweltschützer Marco Weber konnte am vergangenen Freitag das Gefängnis im russischen St. Petersburg verlassen. «Ich bedaure den Ausgang, nicht aber die Aktion», sagt Cécile Bühlmann, Stiftungspräsidentin von Greenpeace Schweiz im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» und räumt ein, dass Greenpeace überrascht war, wie heftig die russischen Behörden reagierten. «Dass derart massive Straftatbestände konstruiert werden, ist schon eimalig».

Greenpeace-Aktivisten hatten mitte September versucht, eine Bohrplattform des russischen Energiekonzerns Gazprom zu besteigen. Mit der Protestaktion wollten sie auf die Gefahren der Ölförderung für die Umwelt in der Arktis aufmerksam machen. Die russische Küstenwache nahm die Aktivisten fest. Russland wirft ihnen Rowdytum vor – dafür sind bis zu sieben Jahren Haft möglich. Offiziell wurde aber auch der Tatvorwurf der gemeinschaftlichen Piraterie noch nicht fallen gelassen, die mit bis zu 15 Jahren geahndet werden kann. Dies rief international heftige Proteste hervor.

«Müssen Lehren ziehen»

Greenpeace will laut Bühlmann zwar auch in Zukunft auf spektakuläre Aktionen setzen. «Solche Aktionen sind unsere Stärken», sagt sie. Trotzdem wird die Umweltschutzorganisation über die Bücher gehen. «Wir werden aus dem Erlebten Lehren ziehen müssen. Wir werden innerhalb von Greenpeace International darüber diskutieren, welche Risiken wir künftig eingehen wollen», sagt sie im Interview.

Fest steht zudem, dass die Aktion Greenpeace finanziell teurer zu stehen kommt als erwartet. «Deswegen ist ein Solidaritätsaufruf an die einzelnen Länderbüros ergangen», sagt Bühlmann. Die Schweiz wird sich laut der Stiftungsratspräsidentin mit «namhaften Beiträgen» beteiligen. Genauere Angaben wollte Bühlmann nicht machen.

Das Budget von Greenpeace Schweiz belief sich im vergangenen Jahr auf rund 24 Millionen Franken.

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