LUZERN: Eine Grüne sorgt für mehr Grün

Bei der Stiftung Natur & Wirtschaft kommt es nach zwölf Jahren zu einem Wechsel an der Spitze. Christine Häsler übernimmt das Präsidium von Ruedi Lustenberger.

Maurizio Minetti
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Die Migros-Filiale im Luzerner Würzenbachquartier.Bild: Reto Locher

Die Migros-Filiale im Luzerner Würzenbachquartier.Bild: Reto Locher

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Kiesgrubenfirmen geniessen in der Regel bei Naturschützern keinen guten Ruf. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, die Landschaft nicht gerade zu verschönern. Aus diesem Grund entstand Mitte der Neunzigerjahre auf Initiative von Wirtschaftsverbänden und dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) die Idee einer Stiftung. Ziel: die Förderung und Auszeichnung von naturnahen Arealen von Kiesabbaustellen und Unternehmen.

Die Stiftung Natur & Wirtschaft mit Sitz in Luzern sieht sich heute als Förderin der Biodiversität im Siedlungsraum. Sie zeichnet vorbildlich gestaltete Areale aus und unterstützt Interessierte bei der Planung und Realisierung eines Areals.

Erste Grüne an der Spitze der Stiftung

Nun ist es bei der Stiftung zu einem Wechsel im Präsidium gekommen. Die Berner Nationalrätin Christine Häsler (Grüne) ist an einer Stiftungsratssitzung in Bern per 1. Januar 2017 einstimmig als neue Präsidentin gewählt worden. Aktuell ist sie Leiterin Kommunikation der Kraftwerke Oberhasli AG. Häsler folgt auf den Entlebucher CVP-alt-Nationalrat Ruedi Lustenberger, der den Stiftungsrat seit 2005 präsidierte.

Die 54-Jährige ist damit die erste Grüne an der Spitze der Stiftung. Gründungspräsident war der Basler Nationalrat Christoph Eymann (Liberal-Demokratische Partei). Häsler sei die Wunschkandidatin gewesen und werde die Stossrichtung ihres Vorgängers fortsetzen, sagt Manja Van Wezemael, welche die Stiftung als Geschäftsführerin leitet. «Wir sind als Stiftung organisch gewachsen und funktionieren sehr solide», so Van Wezemael. Die neue Präsidentin werde aber auch neue Projekte anstossen. «Spruchreif ist aber noch nichts», so Van Wezemael. Das Budget der Stiftung beträgt rund 600 000 Franken. Ein Drittel davon kommt von Trägern. Dazu gehö­ren neben dem Bafu der Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie, die Migros, die Baufirma Losinger Marazzi und die Naturgartenfirma Winkler & Richard.

Ein weiteres Drittel stammt aus Erträgen für Dienstleistungen wie Zertifizierungen und Kommunikationsmaterial. Das letzte Drittel setzt sich aus Beiträgen der Projektpartner zusammen. Will heissen: Im Auftrag der Regionalkonferenz Umweltschutz Luzern kontaktiert die Stiftung Gemeinden, Bauherren und Planer, um gemeinsam geeignete Areale zu entwickeln, die als Vorbilder für die naturnahe Umgebungsgestaltung dienen sollen.

409 zertifizierte Unternehmen

Die Stiftung zählt heute 409 zertifizierte Unternehmen, Wohnsiedlungen und Kiesabbaustellen mit insgesamt über 40 Millionen Quadratmetern naturnaher Fläche. So wurde zum Beispiel die Migros-Filiale Würzenbach im Sommer 2015 zertifiziert.

Sie ist eingebettet in eine Blumenwiese; die Kunden laufen durch ein meterhohes Blütenmeer. Auch das Dach ist begrünt, und der Parkplatz auf der Nordseite des Gebäudes wird durch eine 6 Meter breite Wildhecke abgeschirmt.

Seit letztem Sommer zertifiziert die Stiftung zudem nicht nur realisierte Umgebungen, sondern auch naturnahe Umgebungsplanungen. Jene des Sagenmatt-Areals des VW-Importeurs Amag in Ebikon ist die erste in der Zentralschweiz, die ein sogenanntes Vorzertifikat erhält.