HOTELLERIE: «Das Bürgenstock-Resort führt zu mehr Konkurrenz in der Region»

Die Wiedereröffnung des Bürgenstock-Resorts weckt Hoffnungen. Gleichzeitig wird sie aber auch zur Herausforderung für Tourismus und Hotellerie.

Thomas Bornhauser
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Das Restaurant Spices (Vorbau) im Bürgenstock-Hotel hoch über dem Vierwaldstättersee. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (18. September 2017))

Das Restaurant Spices (Vorbau) im Bürgenstock-Hotel hoch über dem Vierwaldstättersee. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (18. September 2017))

Thomas Bornhauser

Weit über die Grenzen der Region hinaus hat die Wiedereröffnung der Bürgenstock-Anlage für Aufmerksamkeit gesorgt. Das traditionsreiche Resort an atemberaubender Lage weckt Erinnerungen an gute alte Zeiten. Zugleich nährt sie Hoffnungen auf neue wirtschaftliche Impulse. Mit den annähernd 400 Zimmern und Suiten auf dem Bürgenstock erhöht sich aber auch der Druck auf andere Anbieter in gehobenen Segmenten. Droht damit sogar ein Verdrängungswettbewerb mit ruinösem Preiskampf in der Vier- und Fünfsternehotellerie?

Jürg Stettler vom Luzerner Hochschulinstitut für Tourismuswirtschaft bestätigt, dass es jetzt zu einer Verschärfung der Konkurrenz kommt: «Natürlich führt der Bürgenstock auch zu mehr Konkurrenz in der Region. Doch das ist durchaus wünschenswert, weil so die Attraktivität der Region insgesamt steigt.» Zum Vergleich verweist Stettler auf den modernen Detailhandel, wie er heute in Shopping-Malls betrieben wird. «Da gibt es zum Beispiel mehrere Schuhgeschäfte nebeneinander. Das führt zu Vielfalt und zu Differenzierungen im Angebot. Und das wiederum verstärkt die Anziehungskraft auf den Konsumenten.»

Mehr Anziehungskraft für die Region

Mit Fritz Erni bringt der Chef des Stadtluzerner Art-Deco-Hotels Montana den verschärften Wettbewerb wie folgt auf den Punkt: «Wir alle müssen jetzt Gas geben! Wir als Anbieter müssen noch besser auf die Wünsche einer anspruchsvollen Kundschaft eingehen.» Denn: «Wenn unser Potenzial an Vier- und Fünfsternekundschaft jetzt einfach Richtung Bürgenstock ‹zügeln› würde – dann gute Nacht.»

Gleichzeitig relativiert Erni die Gefahr einer wettbewerbsbedingten Preisspirale nach unten: «Eine Tiefpreispolitik würde für jedes Spitzenhotel in die Sackgasse führen.» Die Grundkosten für die gehobene Hotellerie in der Schweiz seien mittlerweile «enorm hoch». «Also ist nicht Preisdruck die Lösung, sondern die Fokussierung auf eine wertschöpfungsfähige Kundschaft.»

Diese Fokussierung sei umso wichtiger, als der Bürgenstock «ja erst der Anfang» sei. In diesem Zusammenhang denkt Erni an die bevorstehende umfassende Renovation des Hotels Palace in Luzern. Einen Schlüssel zum Erfolg für die regionale Spitzenhotellerie sieht Tourismusexperte Jürg Stettler in der Ausdifferenzierung der Angebote. Schon heute gebe es in der Region ein breites Angebot für anspruchsvolle Gäste. Er zählt auf: «Für den klassischen Feriengast. Für den Seminargast. Für den kulturaffinen Gast. Für den Spa-Gast. Für den Medical-Wellness-Gast.» Es werde also ein breites Zielpublikum angesprochen. «Insbesondere im Medical-Wellness-Bereich führt der ‹Bürgenstock› jetzt zu einer deutlichen Ausweitung des Angebots.»

Allerdings: Wellness-Angebote werden auch heute schon in gehobenen Häusern in der Region angeboten, zum Beispiel im Park Hotel Weggis oder im vor wenigen Jahren total renovierten Park Hotel Vitznau. Kommt es jetzt vor allem hier zu harter Konkurrenz mit dem «Bürgenstock»? Dazu Tourismusexperte Stettler: «Der Spa-Bereich in Weggis ist primär auf Wellness-Gäste ausgerichtet, und das Park Hotel Vitznau hat sich insbesondere auf die Neurologie fokussiert.» Zudem sei das Angebot des «Bürgenstocks» viel breiter und umfassender und daher weniger eine direkte Konkurrenz als vielmehr eine Verbreiterung des Angebots. Und das führe zu verstärkter Anziehungskraft für potenzielle neue Kunden aus aller Welt. Diese Einschätzung teilt der Direktor von Luzern Tourismus, Marcel Perren: «Das Image des Bürgenstock-Resorts wird der Region auch neue Gäste bringen.»

Verstärkter Fokus auf China

Woher aber sollen diese neuen Kunden denn kommen? Stettler denkt nicht zuletzt an die «Bürgenstock»-Investoren vom Persischen Golf: «Das Geld für die Erneuerung ist bekanntlich aus Katar gekommen. Entsprechend ist zu erwarten, dass der Bürgenstock speziell auch Gäste aus dem Mittleren und dem Fernen Osten ansprechen dürfte.»

Der Luzerner Tourismus-­Direktor Perren bestätigt diese Stossrichtung in Form konkreter Massnahmen. So wird er, zusammen mit dem Lucerne Festival, im Oktober China und Korea besuchen. Dies, weil der chinesische Markt speziell erfolgversprechend sei. «Es gibt immer mehr zahlungskräftige Kunden in diesem Land.» Und: «Wir wollen vermehrt Individualkunden mit längeren Aufenthaltszeiten für uns gewinnen. Das bringt für unsere Hotellerie mehr Wertschöpfung. Und da gibt es gerade in China noch einiges an Entwicklungspotenzial.» Dass es sich mit der Bearbeitung zahlungskräftiger Kundenmärkte nicht nur um schöne Worte handelt, unterstreicht Perren mit einem Hinweis auf das Investment seines Branchenverbandes. Konkret seien es mittlerweile über 3 Millionen Franken, die so jährlich in Form gezielter Marketingarbeit in 20 ausgewählten Märkten eingesetzt würden. Dabei setze Luzern Tourismus «klar auf Premium-Qualität. Wir wollen gezielt den Qualitätstourismus fördern nach dem Motto ‹best in class›.»

Der Praktiker Fritz Erni gibt sich von der Richtigkeit dieser Stossrichtung überzeugt: «Da hat Luzern Tourismus natürlich eine wichtige Rolle. Nun muss das noch erfolgreich umgesetzt werden, vom einzelnen Hotel bis zur gemeinsamen Marktbearbeitung in der Schweiz und erst recht in aller Welt.»