LANDWIRTSCHAFT: Diese Prinzessinnen packen an

Um das Braunvieh besser zu vermarkten, gibt es seit vier Jahren den Titel der Braunviehkönigin. Gleich zwei junge Haslerinnen wollen diesen nun gewinnen.

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Den Segen von Kuh Olympia haben sie in jedem Fall: Die Braunviehprinzessinnen Fabienne Stalder (links) und Andrea Furrer. (Bild Nadia Schärli)

Den Segen von Kuh Olympia haben sie in jedem Fall: Die Braunviehprinzessinnen Fabienne Stalder (links) und Andrea Furrer. (Bild Nadia Schärli)

Der Titel Braunviehkönigin existiert seit 2011 und wurde erst zwei Mal ­vergeben. Bewerben können sich junge Frauen, die einen Bezug zur Landwirtschaft haben. Die Königin darf während zweier Jahre das Braunvieh vertreten und an Anlässen Werbung für die Kühe machen. Dieses Jahr wird am 28. November die dritte Königin und somit die Nachfolgerin der amtierenden Regentin Barbara Reidt aus Küblis GR gekürt. Fünf Kandidatinnen aus der ganzen Schweiz, genannt Braunviehprinzessinnen, treten zur Wahl an.

Zusammen im Kindergarten

Mit Andrea Furrer und Fabienne Stalder (beide 20-jährig) kommen gleich zwei Kandidatinnen aus Hasle. Wir treffen die beiden Titelanwärterinnen auf dem Hof von Fabiennes Eltern auf der Hinterschwändi in Hasle. Die Szenerie hat etwas Mystisches, der Nebel zieht über die Hügel, es nieselt im Tal, die Bäume tragen ihr gold-­rotes Herbstgewand. Andrea und Fabienne haben sich in Schale geworfen oder besser gesagt ins Dirndl. Und trotz der schönen Aufmachung sind sich die beiden «Prinzessinnen» nicht zu schade, im Stall anzupacken, als es gilt, die Kuh Olympia vor die Linse der Fotografin zu bewegen. Mit viel Stossen und gutem Zureden lässt sich die Kuh dann doch vom Vorhaben überzeugen.

Hauptsache, eine vom Entlebuch

Wie es der Zufall will, besuchten Andrea und Fabienne zusammen den Kindergarten und die ersten vier ­Primarschuljahre. Dass sie an diesem Wettbewerb nun gegeneinander antreten, wussten sie bis vor kurzem nicht. «Aber das ist kein Problem, wir verstehen uns trotzdem gut», sagt ­Andrea, Fabienne pflichtet ihr bei.

Die beiden jungen Frauen sind waschechte Entlebucherinnen. Beide in Hasle aufgewachsen, beide auf einem Bauernhof abseits des Dorfes. Perfekte Voraussetzungen, um Ende November zur Braunviehkönigin gekürt zu werden? Andrea relativiert: «Die Siegeschancen sind sehr schwierig einzuschätzen. Ich glaube, alle haben eine Chance. Es wäre aber schön, wenn eine von uns beiden und somit jemand vom Entlebuch gewinnen würde.» Fabienne nickt: «Wer gewinnt, ist mir egal. Hauptsache, es ist eine von uns beiden», sagt sie lachend. Beide betonen aber zugleich, dass sie es den anderen Kandidatinnen ebenfalls «von Herzen gönnen würden», wenn diese gewinnen.

Weshalb aber sollen die Zuschauer eine der beiden Haslerinnen wählen? Fabienne sagt: «Ich stehe voll und ganz hinter dem Braunvieh. Es ist und bleibt immer eine braune Kuh in meinem Züchterherz, denn ich stand schon als Kind im Stall und habe meinen Eltern geholfen. Man könnte sagen, ich wurde mit original Braunviehmilch ‹abgetränkt›.»

Auch Andrea stand schon als kleines Mädchen im Stall und hat gute Gründe, die für sie sprechen: «Ich bin eine ­offene Person und kann gut auf Leute zugehen und mit ihnen sprechen. Zudem steckt vieles hinter der Landwirtschaft, was die Leute nicht sehen. Ich möchte ihnen aufzeigen, dass Landwirtschaft etwas Schönes ist.»

Schwyzerörgeli und Reiten

Dass die beiden für die Landwirtschaft leben, spürt man. Es ist eine Ehrlichkeit und Bodenständigkeit zu spüren, die man nicht antrainieren kann. Fabienne hilft am liebsten im elterlichen Betrieb. Aber auch auf der Alp könne sie Energie tanken. «Ich leide darunter, wenn ich nicht bei den Tieren bin.» Wenn sie die Stallstiefel trotzdem mal zur Seite stellt und nicht gerade ihren Beruf im Detailhandel ausübt, spielt sie Schwyzerörgeli oder Alphorn, steigt auf ihr Mountainbike oder geht wandern.

Andrea hat neben ihrer Leidenschaft für Kühe noch eine zweite Passion: Pferde. «Ich bin fast immer im Reitstall, wenn ich nicht bei den Kühen oder an Viehschauen bin», erklärt sie. Momentan absolviert sie ein Praktikum in einem Forst- und Gartenbaubetrieb in Schüpfheim. In einem Jahr möchte sie vermutlich Agronomie studieren: «Ich kann mir ein Leben als Bäuerin gut vorstellen. Nebenbei aber als Lehrerin an einer landwirtschaftlichen Schule zu unterrichten wäre auch eine Option.» Fabienne kann sich ihre Zukunft auf einem Bauernhof ebenfalls gut vorstellen.

Auftritt an der Olma

Nun haben die beiden noch ein paar Auftritte zu absolvieren, unter anderem an der Olma in St. Gallen, wo alle fünf Kandidatinnen auftreten. Und so blicken Andrea und Fabienne der Wahl zuversichtlich und freudig entgegen. Für sie gilt: Egal wer gewinnt, sie sind stolz auf die Landwirtschaft.

Matthias Stadler